Noch einmal ein Mozart-Bild, diesmal aber ein echtes und verbürgtes. Ein Familienbild, gemalt von Johann Nepomuk della Croce: das Geschwisterpaar Wolferl und Nannerl an den Tasten, er zu ihrer Linken, wie es sich für den männiglichen Part gehört, den profunden Bass bedienend, nicht ohne mit der rechten Hand im Revier seiner Schwester Melodien zu wildern. Auch wenn es 15 Jahre später gemalt wurde, für die Gattung Klavier zu vier Händen stellt es eine Schlüsselszene dar. Eine Musikform im Status Nascendi, denn sie wird von dem neunjährigen Wolfgang Amadé gerade erst erfunden. Für sich und seine Schwester, für die Wunderkinderzirkusfahrten im europäischen Kulturraum.

Merkwürdigerweise beginnt Mozart jede seiner Sonaten mit großem Unisono-Gestus, lässt das erste Thema vierfach dreschen und macht damit klar, in welcher Sphäre er seine Vierhändigkeiten angesiedelt sehen will: in der Symphonik, wenn nicht gar in der großen Oper. Das gilt besonders für die imposante Sonate F-Dur KV497.

Daran hätten sich Yara Tal und Andreas Groethuysen (W. A. Mozart, Werke für 2 Pianisten Vol. 1, Sony sk93868) orientieren können und hätten dann vielleicht mehr Offensive gezeigt, das Forte schmetternder, das Piano abgesetzter gespielt. Sie intonieren aber ein wenig wie für den heimischen Salon, wo man nicht ohne Not das zarte Teeservice zum klappernden Erzittern bringt. Einen Vorteil hat die Zurückhaltung: Jedes Wort ist zu verstehen. Die Hände sind fein aufeinander abgestimmt, keine spielt sich in den Vordergrund, kein Geschmier, kein Geschleif, kein Gewaber. Die beiden spielen die Sonate als Sonate - und haben alles Recht dazu -, es steckt aber doch mehr darin.

Eine emphatischere Aufladung geben Tal und Groethuysen der Fantasia f-moll KV608, einem Orgelstück für eine Uhr, geschrieben für ein Flötenspielwerk mit mechanisch gesteuerten Pfeifen, die man sich eher fiepend als orgellungenkräftig vorstellen muss. Dieses Stück spielen die beiden als Geschichte mit großer Steigerung und sonderbaren Episoden von kontrapunktischen Zauberranken und eingeschobenen Gesängen, geben mit irrlichtelierenden Trillern und gedrängtem Motivflechtwerk der Rast- und Ratlosigkeit ihrer imaginären Figuren Ausdruck. Und unter ihren zwanzig Fingern entsteht an unerwarteter Stelle eine große Erzählung.