So scheint es also zu sein: Eine weit verzweigte, mächtige Anti-Frauen-Mafia zwingt hilflose weibliche Konsumenten zum Lesen von bunten Presse-Erzeugnissen, die ihre leicht beeinflussbaren, rückgratlosen Leserinnen dermaßen gehirnwaschen, dass diese sogleich in den Minirock und hinter den Herd hüpfen, wo sie sehnsuchtsvoll der abendlichen Rückkehr ihres berufstätigen Herrn und Gebieters harren.

Wie kommt es, dass ich mich mit dieser Auffassung nicht identifizieren kann?

Warum es Frauenzeitungen gibt und warum diese so sind, wie sie sind, ist allgemein bekannt: Das Geschäft mit Kosmetik- und Modeartikeln ist ausgesprochen lukrativ. Zu diesem Zweck wird ein Frauenbild erschaffen, das den Konsumentinnen suggeriert, durch den Kauf jenes Lippenstifts oder dieser Caprihose würde ihr Leben interessant und glücklich. Bei einem Blick in die entsprechenden Männermagazine wird deutlich, dass diese Branche längst auch den männlichen Teil der Gesellschaft erfasst hat und "ihm" einzureden beginnt, bei Verwenden des richtigen Rasierwassers würde ihm die weibliche Welt zu Füßen liegen.

Nun die Frage: Ist das schlimm? Wird irgendjemand zum Lesen dieser Magazine gezwungen? Wem folgt das Programm einer Frauenzeitung – einem politischen Konzept oder schlicht den Gesetzen von Angebot und Nachfrage? Brauchen wir eine Zensur für Diätpläne und Schminktipps? Wollen wir wirklich erwarten, dass ein starker Wirtschaftszweig in freiwilliger Selbstbeschränkung Verantwortung für mögliche soziale Auswirkungen seiner werbewirksamen Geschlechterbilder übernimmt?

Das politische System, in dem wir leben, stützt sich auf die Idee von Eigenverantwortung und Selbstbestimmtheit seiner Bürger. Ein solches System kann nicht mehr tun, als – solange es einem freiheitlichen Gedanken folgt – möglichst breite Chancen für möglichst breite Teile der Bevölkerung zu eröffnen. Es gibt heutzutage keine Universitäten mehr, die keine weiblichen Studenten akzeptieren, Frauen können wählen, arbeiten, politisch aktiv sein, Karriere machen – und sie können es auch sein lassen. Ab einem bestimmten Punkt geht die Entscheidung, wie man sein Leben gestalten will, auf den Einzelnen über – und das heißt nicht, dass eine weibliche Vollbeschäftigung erreicht werden muss, nur weil einst die arbeitende Frau als die selbstverwirklichte Frau definiert wurde. Wenn jemand lieber Zeit in Wellness und Schönheit investiert als in Beruf oder Karriere – dann lassen wir sie doch einfach.

Wo es an der nötigen Chancengleichheit für berufstätige Frauen fehlt, muss noch einiges getan werden – zum Beispiel bei den immer noch mangelhaften Möglichkeiten für Kinderbetreuung und der Weigerung vieler Arbeitgeber, auf flexible Arbeitszeiten zu setzen. Das hat aber mit Frauenmagazinen eher wenig zu tun. Weil man Statistiken nur glauben sollte, wenn man sie selbst gefälscht hat, blicke ich lieber in mein Umfeld, um herauszufinden, wie ein kleiner Teil der Welt beschaffen ist, und siehe da: Alle meine Freundinnen arbeiten oder nicht, haben Kinder oder nicht, einen Freund oder Ehemann oder eben nicht – und keine von ihnen fühlt sich unterdrückt, diskriminiert und von der Brigitte gehirngewaschen. Von einer solchen Idee würden sie sich als selbstständig denkende Menschen wohl eher beleidigt fühlen. Zu Recht, wie ich finde.