Bis dass der Tod uns scheidetSeite 4/4
Wir haben die Bildungsbotschaft der Frauenbewegung verstanden, die Karrierebotschaft auch, den Politisierungsauftrag weniger. Das persönliche Emanzipationsversprechen ist so weit eingelöst, dass wir uns von Männern nicht mehr leicht unterdrücken lassen – und sehr schnell bereit sind, das Modell zu wechseln, wenn wir unzufrieden werden. Aber suchen wir wirklich den partnerschaftlichen Typ Mann? Den, der uns zuallererst intellektuell ernst nimmt? Der bereit ist, genauso viel für die Kinder zu tun (die wir doch irgendwann, irgendwie auch wollen)? Der uns nicht notwendig beruflich überragt? Ich glaube nicht. Ich glaube, wir hängen in anachronistischer Weise an einem »romantischen« Männerbild, an der Sehnsucht nach einer Liebe, die uns umwirft, dahinreißt – für deren Einfluss auf unser Schicksal wir nichts können. Diese Haltung aber steht im Widerspruch zu allem, worum wir uns sonst bemühen. Und sie zeitigt (siehe Scheidungszahlen, Kindermangel) keine Ergebnisse, die uns und der Gesellschaft gefallen können. Warum geben wir nicht zu, dass die Methoden unserer Partnersuche viel moderner sind als ihre Gegenstände – und aktualisieren die Romantik-Software?
- Datum 17.03.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 17.03.2005 Nr.12
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