"Hallo Schatzi", sagte die Stabsärztin zum Hauptgefreiten und wurde damit ein Fall für den Wehrbeauftragten. Nachzulesen in seinem Jahresbericht 2004, den Wilfried Penner am Dienstag vorstellte. Soll noch einmal jemand sagen, die Bundeswehr sei eine Armee, in der sich Vorgesetzte alles erlauben können!

Doch genau dies legten die ersten aufgeregten Kommentare nahe, denn die Zahl der Eingaben sei gestiegen und auch diejenige der gemeldeten Misshandlungen.

Stimmt sogar, nur eben, dass Zahlen erst konkret werden, wenn sie sich vergleichen lassen. Es handelte sich um 6154 Eingaben im Vergleich zu 6082 des Vorjahrs und damit um eine unerhebliche statistische Schwankung. Gemeldet wurden freilich 94 Misshandlungen, im Vorjahr 58: Das aber liegt an den Skandalen, die mit dem Namen Coesfeld assoziiert werden und denen die dringliche Aufforderung folgte, alle Vorkommnisse zu melden. Der Auftrag wurde erfüllt.

Nein, diese Armee reagiert sensibel und selbstkritisch auf Vorfälle und auf "Vorfälle", die es in einem Verband von knapp 300000 Mann (und ein bisschen Frau) immer geben wird. Haarsträubend indes sind die Informationen über Ausrüstungsmängel der Truppe, die eben nicht nur übt, wie früher, sondern im Einsatz ist. Penner richtete deshalb klare Worte an die politische Führung, die nur unter Zuhilfenahme "sprachlicher Kunstgriffe" daran festhalten könne, die Armee sei zu weiteren Einsätzen in der Lage. Wie sagt man? "Treffer. Versenkt."