Von wegen Mehrwertsteuer. Ökosteuern, sagt Anselm Görres, seien die einzigen Zwangsabgaben mit Mehrwert - und deshalb auch besser als jede andere Steuer geeignet, die jobvernichtenden Sozialabgaben teilweise zu ersetzen.

Görres, Vorsitzender des Fördervereins Ökologische Steuerreform (FÖS), sieht in der um sich greifenden Begeisterung für eine höhere Mehrwertsteuer auf die Konsumausgaben vor allem zweierlei: eine bequeme Versuchung und eine zeitgenössische Erscheinungsform des Calvinismus, den steuerpolitisch verbrämten Aufruf zur Askese.

Tax bads, not goods, stellt Görres dieser Versuchung gegenüber. Schließlich sei es gar nicht einzusehen, dass ausgerechnet jene Aktivitäten vor der Besteuerung verschont blieben, die auf Dauer nicht zu verantworten seien. Der Klimafrevel zum Beispiel. Gemeinsam mit weiteren 23 Organisationen macht Görres' Förderverein sich deshalb für die Erhöhung der Energiesteuern stark.

Daran führe kein Weg vorbei, heißt es in einer Erklärung, auf die sich die Verbände Ende vergangenen Jahres geeinigt haben.

Rund 18 Milliarden Euro bringt die Ökosteuer der Kasse des Bundes. Das Gros davon wird postwendend an die Rentenversicherung weitergeleitet, die sie somit entlastet. Allerdings merken die Beitragszahler davon kaum etwas. Denn gleichzeitig ist der Finanzbedarf der Sozialversicherung gestiegen, weil die Menschen immer älter werden und die Einnahmen auch wegen der hohen Arbeitslosigkeit sinken. Per Saldo ist deshalb der Beitragssatz mit rund 42 Prozent heute fast so hoch wie vor der ökologischen Steuerreform im Jahr 1998. Allerdings wäre er ohne die Ökosteuer um 1,7 Prozentpunkte gestiegen.

Insofern hat die Ökosteuer den Faktor Arbeit billiger gemacht - während der Naturverbrauch teurer geworden ist.

Bis zu 250 000 neue Arbeitsplätze könnten mit einer ökologischen Steuerreform bis zum Jahr 2010 entstehen, so die Hochrechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vor vier Jahren. Die Umfinanzierung von Sozialleistungen durch eine weitere Erhöhung der Ökosteuern ließe vermutlich noch mehr Jobs entstehen - womöglich sogar mehr, als die Operation Mehrwertsteuer brächte. Die würde schließlich auch arbeitsintensive Dienstleistungen teurer machen. Auf der Habenseite der Ökosteuer schlägt außerdem deren Innovationswirkung zu Buche: Energieeffiziente Zukunftstechnologien würden wettbewerbsfähiger, während eine Mehrwertsteuererhöhung keinerlei Innovationseffekte hätte.