Flughafen Zürich-Kloten. Hier liegt das Zentrum der Schweizer Luftfahrt.

Wer im Vorort Kloten vor zehn Jahren das Telefonbuch aufschlug, fand darin Einträge wie diesen: Albrecht Maier, Swissair-Angestellter. Der Stolz der Schweizer auf die Airline, die damit warb, das Schweizerkreuz in die Welt zu tragen, war damals grenzenlos. Kaum ein Unternehmen konnte auf so viel Loyalität bauen - bei den Mitarbeitern, aber auch in der Bevölkerung. Als die Swissair dann im Herbst 2001 in Konkurs ging, war das Land traumatisiert. Die Nachfolgerin der traditionellen Fluggesellschaft heißt Swiss. Die wird nun wohl von der Lufthansa geschluckt. Für die Schweizer eine traurige Geschichte.

Die Deutschen wollen mit dem Kauf ihre Stellung in einem zunehmend härteren Wettbewerb stärken. Mit der Übernahme würden sie quasi über Nacht Marktführer in der Schweiz und könnten die zahlungskräftigen Schweizer Kunden in ihr Netzwerk schleusen. Auch einige wenige Swiss-Verbindungen zwischen Zürich und Asien, amerikanischen und arabischen Zielen gelten als lukrativ. Denn der Anteil der zahlungskräftigen Geschäftsreisenden ist auf diesen Langstrecken weit höher als bei anderen Fluglinien. Auch die Marke Swiss, die nach einer Übernahme erhalten bleiben soll, genießt trotz der Schwierigkeiten der vergangenen Jahre vor allem in den USA und in Asien einen guten Ruf.

Angeblich verhandelt die Lufthansa sogar mit dem Konkursverwalter der Swissair, um deren Namen wieder nutzen zu können.

Die wenigen rentablen Interkontinentalstrecken der Swiss passen gut in die neue Strategie der Lufthansa. Weil die etablierten Fluglinien auf wichtigen europäischen Strecken Kunden an die Billigflieger verlieren, konzentrieren sich Lufthansa und Co zunehmend auf die gewinnträchtigen Interkontinentalflüge nach Asien und in die USA. Gleichzeitig profiliert sich die Lufthansa als Qualitätsflieger für zahlungskräftige Kunden. In den vergangenen Monaten hat sie die komfortablen und teuren Klassen in ihren Flugzeugen renoviert und umgarnt betuchte Kunden mit neuen edlen Warteräumen und Limousinen-Service bis an den Flieger.

Weitere Übernahmen und Pleiten sind wahrscheinlich

Dem kränkelnden Europageschäft helfen diese Bemühungen allerdings wenig. Die 15 umsatzstärksten Strecken der Lufthansa sind laut einer Studie innerdeutsch oder innereuropäisch, und hier gewinnen die neuen Billiganbieter Marktanteile. Heute erreichen die neuen Fluggesellschaften rund 18 Prozent des europäischen Flugverkehrs, mittelfristig sollen es 20 bis 30 Prozent werden. Der Lufthansa fehlt bisher ein schlüssiges Konzept, um auf den umkämpften Strecken wieder ausreichend Geld zu verdienen. Auch die Swiss kann hier nicht helfen, denn ihre Flieger sind auf den Europa-Routen nur zu 61 Prozent ausgelastet - einer der schlechtesten Werte in ganz Europa.