Es ist noch keine Kehrtwende, aber doch ein deutliches Signal: Silvio Berlusconi hat angekündigt, das italienische Truppenkontingent im Irak im September reduzieren zu wollen. Der Regierungschef tat das nicht im Parlament, wo nur Stunden zuvor gegen die Stimmen der Opposition ein Gesetz zur Neufinanzierung der "Operation Antikes Babylon" verabschiedet worden war. Berlusconi wählte die einzige Fernsehsendung, in der er regelmäßig auftritt – eine Talkshow, in der kein politischer Gegner als Störenfried sitzen darf. Die überraschende Ankündigung des Rückzugs auf Raten war eingebettet in einen langatmigen Monolog über die Steuerpolitik.

Sosehr Berlusconi versucht, den Rückruf seiner Soldaten als nebensächlich erscheinen zu lassen – sein Entschluss ist ein Zugeständnis an die wachsende Mehrheit der Bevölkerung, die keinen Sinn mehr in der Präsenz italienischer Truppen im Irak sieht. 28 Italiener starben dort bislang, der letzte kurz vor Berlusconis TV-Auftritt – ein Soldat, bei der Wartung seines Gewehrs. Nach der wochenlangen Geiselhaft und der Befreiung der Journalistin Giuliana Sgrena und dem Tod des Geheimagenten Calipari im Feuer der Amerikaner ist das Land von kollektiven Gefühlswallungen erschüttert, die sich ganz offenkundig der Kontrolle durch die Politik entziehen. Caliparis Tod hat überdies die in klarem Kontrast zu den Amerikanern betriebene Strategie der Berlusconi-Regierung bei Geiselentführungen ad absurdum geführt: Hätte sich der Agent nicht zur Geheimhaltung seines Auftrags gegenüber den Amerikanern verpflichtet gefühlt, so wäre die Patrouille unerfahrener Rekruten auf der Straße zum Flughafen vielleicht rechtzeitig von seiner Ankunft informiert worden.

Die Tragödie von Bagdad hat Berlusconi gezwungen, mit jenem Selbstbewusstsein auf schnelle Aufklärung der Hintergründe zu pochen, das er den USA gegenüber schon vorher hätte zeigen müssen – etwa durch eine klare Informationspolitik. Das hätte Berlusconis Freund George W. Bush womöglich ein wenig früher darauf gebracht, was nun offiziell ist: Wer für seine verschleppten Zivilisten verhandelt oder sogar Lösegeld bezahlt, der bleibt nicht ewig in der "Koalition der Willigen".