Roman Fliegen im SommerSeite 2/2

Im Rahmen der Konjunktur des amerikanischen Familienromans, die seit einigen Jahren zu beobachten ist, nimmt O’Nan den Part eines einfühlsamen Naturalisten ein. Sein Beitrag zu diesem Genre ist kein generationenübergreifender epischer Langstreckenflug und enträt auch jeglicher zeitdiagnostischer Zuspitzung: Familien wie die dargestellte gibt und gab es immer schon – in den verschiedenen Epochen und Ecken dieser Erde. Abschied von Chautauqua zielt aber auch nicht aufs Archetypische; das schlampig Allgemeine ist dem Roman schon aufgrund seines Faibles für die Niederungen des daily life fremd. Wer an der Handlungsarmut und der detailversessenen Beschreibungskunst, die auch eine Golfpartie oder eine nächtliche Darmentleerung in epischer Breite auswalzt, keinen Anstoß nimmt und emotional noch nicht völlig verkarstet ist, wird bei der Lektüre aber unmerklich in dieses komplexe Kokon Familie mit eingesponnen werden und das keineswegs nur als Zumutung empfinden.

Abschied von ChautauquaRomanBelletristika. d. Englischen von Thomas GunkelStewart O’NanBuchRowohlt2005Reinbek24,90700
 
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  • Quelle (c) DIE ZEIT 17.03.2005 Nr.12
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  • Schlagworte Roman | Sommer | Literatur
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