Soul Geschäftsmann der SeeleSeite 2/2

Diesen Faden nimmt er nun wieder auf. Aus Robbie Robertsons It Makes No Difference etwa holt Burke all die Verlorenheit und schlichte Würde heraus, die einst die besten Songs von Johnny Cash auszeichneten. »90 Prozent der Geschichten, die im Country erzählt werden, halte ich für Tatsachen. Diese Aufrichtigkeit, diese Tiefe, die bekommst du nirgendwo anders her …« Vor seinem Comeback, sagt Burke, sei er durch viele Höllen gegangen. Jetzt lässt er all diese Erfahrungen in Songzeilen fließen, die ihm andere in den Mund gelegt haben. Oder auch vor ihm durchlitten haben. Der Hank-Williams-Song, mit dem er sein Album schließt, gehört zu Letzteren: Wealth Can’t Save Your Soul. Burke hat ihn selbst ausgesucht. Nicht nur weil er weiß, wie wenig in einen Sarg hineinpasst. Sondern weil ihn die Abgebrühtheit des zeitgenössischen Rhythm ’n’ Blues an den alttestamentarischen Tanz ums goldene Kalb erinnert. Irgendjemand müsse in dieser Situation die Flagge des Mitgefühls hochhalten. »Wenn wir nicht mehr mit Tränen in den Augen Amazing Grace singen können, dann haben wir etwas verloren.« Der Manager öffnet die Tür, gibt ein Zeichen – die Show kann beginnen. Bischof Burke wischt sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn und zwinkert fast kumpelhaft über den Tisch: »Noch eine Show? Jetzt habe ich doch meine ganze Predigt schon verraten.«

Make Do With What I GotSolomon BurkeCDSMI/Epic/Sony
 
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