Gnadenlos haben ihn die Imker früher gejagt, mit tödlichem E605 oder mit dem Umweltgift Lindan (Hexachlorcyclohexan). So berichtete 1956 die Zeitschrift für Bienenforschung von einer "sehr erfolgreichen" Bekämpfung im fränkischen Pegnitz. Dort hatte der örtliche Imkerverein auf einer Fläche so groß wie drei Fußballfelder stolze 255 Kilogramm Lindan verstreut, um eine ganze Kolonie ihres Erzfeindes zu vernichten.

Der Bienenwolf, so heißt der Imkerschreck, ist eine Grabwespenart. Ihre Weibchen sind etwas größer und schlanker als die pummeligen Honigbienen, denen sie nachstellen. In der Kinderstube von Familie Bienenwolf herrschen grausame Sitten: Die Bienen dienen den fliegenden Wölfinnen als Lebendfutter für ihren Nachwuchs. Die Wespenweibchen lähmen die Bienen durch eine Giftinjektion und bestücken jede ihrer unterirdischen Brutkammern mit bis zu fünf paralysierten Honigsammlerinnen. Auf das Frischfleisch legen sie dann jeweils ein Ei pro Kammer.

Zum Glück für die Wissenschaft konnte allerdings auch der massive Einsatz von Lindan die Wespenart nicht ausrotten. In den 1960er Jahren studierte der niederländisch-britische Verhaltensforscher Niko Tinbergen den Bienenwolf Philanthus triangulum und bekam nicht zuletzt wegen der Forschung über das Orientierungsverhalten der Wespe den Nobelpreis für Medizin, gemeinsam mit Konrad Lorenz und Karl von Frisch. Und unlängst erforschte eine Würzburger Gruppe um Erhard Strohm ein weiteres Geheimnis dieser Wespen, das die Wissenschaftler nun in Current Biology veröffentlichten.

Der Bienenwolf liebt Wärme und baut sein Nest in sonnig sandige Steilwände, aber auch in die Ritzen zwischen Pflastersteinen. "Im Sommer wird es da schnell mal 30 Grad bei fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit", sagt Strohm. Ideale Bedingungen für Schimmel und Verderbnis. Doch trotz des tropischen Mikroklimas fand der Wespenkenner nur in vier von hundert Brutkammern Schimmelpilze. Gut so – denn haben diese sich breit gemacht, bedeutet es das Aus für die Bienenwolflarve. Zuerst verschimmeln die Futter-Bienen bei lebendigem Leib, dann der Kokon und drinnen die Larve.

Doch es ist nicht das lähmende Gift, wie ursprünglich angenommen, das den gefährlichen Pilzbefall fern hält. Vielmehr schützt die Grabwespe ihre betäubte Bienenbeute durch Abschlecken. Dies hatte Strohm, der gerade von Würzburg nach Regensburg gewechselt ist, schon vor sechs Jahren entdeckt. "Das Lecken balsamiert regelrecht ein und schützt vor Schimmel", sagt der Biologe. Ohne Wespenbalsam schimmeln die Bienen drei- bis viermal schneller als geschleckt. Der Schimmelschutz für den Kokon blieb dagegen lange ein Rätsel, denn das Seidengespinst entsteht erst, wenn Mutter schon lange fort ist.

Jetzt kennt Erhard Strohm den Trick: "Ich hatte eine weiße Substanz in Verdacht, ohne aber genau zu wissen, wie sie den Kokon schützt." Und tatsächlich: Die Bienenwölfin presst vor der Eiablage im Brutkämmerchen eine weiße Paste aus ihren Fühlern, schmiert diese an die Decke und lässt das Ei auf den Bienenkörpern zurück. Die Larve frisst das weiße Zeugs und rettet so ihr Leben. "Durch Zufall fanden wir heraus, was das eigentlich ist: Es sind Bakterien", sagt Martin Kalthenpoth. Er hat die Einzeller zum Thema seiner Doktorarbeit gemacht. Zigmillionen stäbchenförmiger Einzeller leben in jeweils fünf Drüsen der Bienenwolf-Antennen. Es ist das erste Mal, dass eine derartige Symbiose in Insektenfühlern nachgewiesen wurde.

Nachdem Kalthenpoth Gensequenzen der Antennenbewohner mit jenen anderer Mikroorganismen verglichen hatte, war klar, zu welcher Gruppe sie gehören – und damit auch, wieso die Untermieter Kokon und Larve schützen. "Sie gehören zur Gattung Streptomyces", sagt der Jungforscher. Bei diesem Namen denken Mikrobiologen und Mediziner sofort an Antibiotika. Etwa 65 Prozent aller in der Medizin eingesetzten Antibiotika werden von Streptomyceten produziert. Zwar werden die meisten gegen andere Bakterien eingesetzt, manche aber auch gegen Pilzerkrankungen.