Biografie Eine starke Liebe zu DeutschlandSeite 2/2
Es ist, als ob nach dem Krieg Margret Boveri Abstand gewinnen will zu sich und dem Geschehen um sie herum. Auf die frisch in Berlin gegründeten Zeitungen stürzt sie sich vorerst nicht. Dafür schreibt sie schnell eine kleine Amerikafibel für erwachsene Deutsche herunter. Sie widmet sie ihrer amerikanischen Mutter und nennt das 100 Seiten starke Büchlein den Versuch Unverstandenes zu erklären. Gemeinhin gilt Boveri als amerikakritisch, um nicht zu sagen -feindlich. Die Amerikaner verbieten die Broschüre denn auch für ihre Zone, während sie anderenorts hohe Auflagen erzielt. Die Schrift ist immer noch lesenswert. Margret Boveri, lebte sie heute, würde Teile ihres Schnellschusses nicht verändern müssen, sollte sie erklären, warum Präsident Bush so ist, wie er ist.
Bis zuletzt blieb sie eine couragierte Einzelgängerin
Mit der neu gegründeten Bundesrepublik und ihrem ersten Kanzler tut sich Margret Boveri schwer. Wie viele ihrer alten Kollegen, Paul Sethe, Karl Silex, setzte sie auf eine eigenständige Rolle Deutschlands in Europa und sah in der Westbindung der Bundesrepublik eine Gefahr, dieses Ziel nicht zu erreichen. Sie plädierte früh für eine Entspannungspolitik und warnte davor, die DDR zu verteufeln. In einem großen Aufsatz in der ZEIT vom Februar 1962 schrieb sie, dass die Mauer in unseren Köpfen fast noch gefährlicher sei als die gerade entstandene Mauer aus Beton.
Sie blieb bis zuletzt, was sie immer war, eine couragierte Einzelgängerin, kantig, unkonventionell. In der Biografie von Heike Görtemaker ist nichts ausgelassen aus dem Leben dieser Journalistin. Das Material, das ausgebreitet wird, ist eindrucksvoll, und dennoch: Weniger wäre mehr gewesen. Ein biografischer Essay, auf die wesentlichen Punkte im Leben Boveris beschränkt, hätte dem Leser einen größeren Genuss bereitet.
Ein deutsches LebenPolitisches BuchHeike B. GörtemakerBuchDie Geschichte der Margret Boveri (1900–1975)2005Verlag C. H. Beck, München26,90416Tage des ÜberlebensPolitisches BuchBerlin 1945; mit einem Vorwort von Egon BahrMargret BoveriBuchwjs Verlag Wolf Jobst Siedler jr.2004Berlin22325- Datum 17.03.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 17.03.2005 Nr.12
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