Jetzt kommt es also doch: Per Gesetz will Bundesjustizministerin Brigitte Zypries die Vorstände börsennotierter Unternehmen dazu zwingen, ihre Bezüge offen zu legen. Zu wenige hätten freiwillig für Transparenz gesorgt. Erstmals greifen könnte das Gesetz wohl beim Jahresabschluss 2006. Zypries setzt den Schlusspunkt unter einen Streit, der zuletzt immer erbitterter geführt wurde.

So erbittert, dass am Ende alle Beteiligten erhebliche Blessuren davontragen.

Zunächst einmal die Ministerin. Sie ist dem Druck erlegen, angesichts von Hartz IV, den anstehenden Wahlen in Nordrhein-Westfalen sowie dem Drängen von Grünen und Genossen Tatkraft zu demonstrieren. Wählerstimmen zählen wohl mehr als Beständigkeit, und so legte sie - statt den Firmen wie angekündigt bis zum Sommer Zeit zu geben - bereits vergangene Woche die Eckpunkte ihres Entwurfs vor. Eine unnötige Hast, auch wenn einige der sieben Verweigerer unter den 30 Dax-Konzernen auf stur schalteten.

Inhaltlich bleibt das Gesetz, so berechtigt es im Kern ist, Stückwerk. Die Regierung verzichtet darauf, neben dem Gehalt auch Pensionsrückstellungen und andere Nebenleistungen ausweisen zu lassen. Da zeigen sich die USA konsequenter. Schade ist auch, dass Zypries hinter den Vorschlägen der EU und der britischen Praxis zurückbleibt, die Aktionäre auf den Hauptversammlungen separat über die Vergütungspolitik abstimmen zu lassen. Stattdessen sollen die Eigner ihr Unternehmen mit Dreiviertelmehrheit von der gesetzlichen Regelung ausnehmen dürfen - ein merkwürdiges Verständnis von Aktienkultur.

Nicht viel besser stehen Deutschlands Topmanager da. Insbesondere jene, die wie BASF-Chef Jürgen Hambrecht oder BMW-Chef Helmut Panke uneinsichtig bis zum Letzten kämpfen wollen. Gute Verkäufer mögen sie sein, aber nicht in eigener Sache. Sie haben die Chance versäumt, in Vorlage zu treten und so neues Vertrauen zu schaffen.

Die Investorenlegende Warren Buffet hat die Gehälterfrage als Nagelprobe dafür bezeichnet, ob es den Konzernen angesichts zahlreicher Skandale mit den Reformen ernst ist - Deutschlands Manager haben das nie begriffen. Ihnen fehlt das Gespür für Signale, für ihre gesellschaftliche Rolle. Ähnlich wie den Chefs einiger gesetzlicher Krankenkassen, die sich saftige Gehaltserhöhungen genehmigen ließen - obwohl es weniger die eigene Leistung als die stärkere Belastung der Versicherten war, welche die Zahlen der Kassen glänzen ließ. Die Kernfrage lautet immer: Ist das Gehalt eines Vorstands angemessen und nachvollziehbar? Die Antwort lässt sich erst geben, wenn Transparenz herrscht. War die Debatte angemessen und nachvollziehbar? Nein.

Schon lange nicht mehr.