Erst wurde gelacht, dann gemeckert. Das Angebot aus Deutschland, ein Tsunami-Frühwarnsystem für Südostasien aufzubauen, sorgte im Januar für internationales Amüsement. Ausgerechnet ein Land, das mit nur wenig Küste ans Flachwasser kleiner Meere stößt, will die Menschheit vor ozeanischen Killerwellen retten. Kaum war das Gekicher verebbt, meldete die Politik Bedenken an. Die Unesco bestand auf der Federführung bei der Katastrophenvorsorge. Auch die asiatischen Anrainer stritten. Indonesien wollte sich, nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit, von Deutschland helfen lassen. Thailand warb dafür, das Vorwarnsystem dem Katastrophenschutzzentrum für Asien anzugliedern - es befindet sich in Bangkok. Indien betonte seine Rolle als Großmacht - Großmächte machen alles selbst. Und die USA drängten auf den Export ihres eigenen (fehlalarmanfälligen) pazifischen Warnsystems.

Nun hat Edelgard Bulmahn gehandelt. Die Forschungsministerin unterschrieb am Montag in Jakarta eine Absichtserklärung. Deutschland schenkt Indonesien ein Warnsystem für 45 Millionen Euro - es wird in den nächsten drei Jahren unter der Leitung des Geoforschungszentrums Potsdam installiert. Der Inhalt des Hilfspakets: Seismometer, Wasserstandsmesser, Drucksensoren am Meeresboden.

Bereits im Herbst wird das Forschungsschiff Sonne auslaufen - an Bord die ersten Bojen und deutsche Meereskundler. Diese kartieren den Tiefseeboden, damit in Zukunft die Ausbreitung eines Tsunamis berechnet werden kann.

Die Vereinbarung ist ein Scoop, von dem alle profitieren: Indonesien erhält ein Frühwarnsystem. Die Nachbarstaaten können es mitbenutzen, denn die Daten werden öffentlich verfügbar sein. Die deutschen Geowissenschaftler können ihr Know-how einsetzen und erhalten im Gegenzug wichtige Daten - ebenso wie der internationale Rest der Forscherzunft. Nicht einmal die Unesco kann den vorpreschenden Rettern böse sein: Brav befolgen die Deutschen die vorgesehenen Standards für Frühwarnsysteme.

In schweren Zeiten präsentiert Bulmahn Deutschland als verlässlichen Partner: Damit helfen wir Spannungen abbauen. In dieser Hinsicht ist die deutsch-indonesische Kooperation vorbildlich. Der Glanz trifft eine gebeutelte Ministerin. Zu Hause erwartet sie der Endloszoff mit den Ländern um die Hoheit in Forschung und Bildung und die Erinnerung an das Studiengebühren-Fiasko.

Aber in Indonesien hat sie eine deutsche Tugend bewiesen: Geht irgendwo plötzlich die Welt unter, glänzen wir durch Krisenmanagement. Kommt das Elend hingegen schleichend (Arbeitslosenzahlen), scheitert die deutsche Politik.

Vorbei die Zeit, als eine Flut Gerhard Schröder zum Retter und Geretteten machte und ihm die Wiederwahl bescherte. Vom Katastropheneffekt profitiert nun Retterin Bulmahn. In dieser Woche hat noch keiner ihren Rücktritt gefordert.