Kochbuch Schmecken. Erinnern
Ein Kochbuch? Eine Hommage an die Großmutter, die Liebe und die Kunst des Pestos
Auch das Gedächtnis ernährt sich durch die Sinne. Die Erinnerungen malen Farben und Formen, singen Lieder, duften. Diejenigen von Larissa Bertonasco schmecken vor allem. Die deutsch-italienische Künstlerin und Illustratorin hat ihre Erinnerungen an ihr »fremdes und gleichzeitig vertrautes Land« in einem Buch gesammelt, das ihrer ligurischen Oma und deren Kochkunst gewidmet ist, aber auch dem Leben:
Der Zug führte das Kind Larissa einmal im Jahr von Stuttgart nach Finale Ligure, wo der Geruch des Meeres, von Rosmarin, Mottenkugeln und Spiritus auf sie wartete. Die Mutter des Vaters empfing die Enkeltöchter, um sie mit frittelle, torta pasqualina, focacce, stracciatella, farinata, pesche ripiene und anderen Köstlichkeiten zu verwöhnen.
»Ich setzte mich mit nonna hinter das Haus an den Tisch … um Kartoffeln zu schälen, Gemüse zu putzten und Bohnen zu schnippeln. Sie war mit ihren kleinen und flinken Händen mindestens doppelt so schnell wie ich und philosophierte bei der Arbeit über das Kochen und Essen.«
Die Sprache der nonna war eine lange Zeit für das Mädchen aus Deutschland nur eine vage Musik gewesen. Aber die Liebe kommt durch die Sinne. »Ich fing an zu kochen, als ich zu sprechen begann«, erzählte nonna Maria der erwachsenen Enkelin, die nach ihrer Studienzeit in Siena die Sprache kauen lernte und die Idee bekam, die Rezepte ihrer Großmutter aufzuschreiben und zu illustrieren. Die Rezepte selbst wirken als Illustrationen der kurzen Erzählungen, die von der Vergangenheit handeln, von Sommernächten, von Männern, vom Glauben. »Ich glaube nur an die Dinge, die ich sehen und in den Händen halten kann. Ich glaube nicht an Gott, und noch weniger glaube ich an Wahrsagerei«, sagt die Großmutter.
Larissa hat Maria porträtiert und mit gastronomischen Worten geschmückt, mit Bildkompositionen aus alten Etiketten von geschälten Tomaten, Orangen, Eis und Bonbons. Auch Worte des Sängers Fabrizio de André mischen sich mit dem Duft des Pestos, ein Name, der von pestare, zerstoßen, kommt, »denn früher wurden die Zutaten mit einem Marmormörser zerkleinert«. Es ist ein Band der Nostalgie, der Maria, die an ein Jenseits des Körpers nicht glaubte, verewigt, damit ihre Nachkommen ihre Rezepte kochen können, sogar in Deutschland.
La nonna La cucina La vitaKochbuchSachbuchDie wunderbaren Rezepte meiner GroßmutterLarissa BertonascoBuchGerstenberg Verlag2005Hildesheim19,90223- Datum 17.03.2005 - 13:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 17.03.2005 Nr.12
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