Die Präsidenten von Litauen und Estland haben ihre Teilnahme an der Moskauer Feier zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 9. Mai abgesagt. Sie wollen nicht vergessen, dass die Befreiung durch die Rote Armee für sie zugleich den Beginn neuer Unterdrückung darstellte, in deren Verlauf Hunderttausende in sibirischen Lagern verschwanden. Ein Kommentator der russischen Nachrichtenagentur Rosbalt schrieb daraufhin, die Balten könnten ein bisschen dankbarer sein. Denn nach dem Abzug der russischen Truppen hätten sie doch als Denkmal eine der besten Automagistralen der Sowjetunion zwischen Klaipeda und Vilnius zurückbehalten. Die Kampfeshitze um die Deutungsmacht der Geschichte könnte vor dem 9. Mai noch zur Erkenntnis führen, Stalin sei der Vater der baltischen Autobahn.