Eine Barocktür oder ein Renaissancekamin als Akzent im neu erbauten Eigenheim? Altes Eichenparkett im coolen Loft? Vor dem nagelneuen Hauseingang ein von Generationen glatt abgetretenes Sandsteinpflaster? - Dem wachsenden Bedarf an historischen Baumaterialien kommen derzeit etwa 150 Händler in Deutschland nach. Wo immer die Abrissbirne droht oder unbewachter Leerstand zur Selbstbedienung einlädt, sind Unternehmer vor Ort, um Jugendstilfenster, Gründerzeittüren, Sprossenfenster, Boiserien, Balustraden, Säulen, Kamine, Holz- und Steinböden oder Dachpfannen zu erwerben oder an sich zu bringen.

Das begehrte Material landet dann auf einem in Deutschland noch relativ jungen Nischenmarkt, wo sowohl das solitäre kunsthandwerkliche Stück als auch historisches Engros vertrieben wird.

Bereits in den fünfziger Jahren kauften Amerikaner vorwiegend in Frankreich antike Materialien für den Innen- und Außenausbau und ließen sie tonnenweise in die USA verschiffen. Die über dem Hudson River gelegene Museumsdependance des Metropolitan Museum of Art, The Cloisters, war ein frühes Indiz für das amerikanische Interesse an europäischer Bausubstanz: 1938 ließ John D.

Rockefeller Teile von fünf romanischen Klöstern aus Frankreich und Spanien importieren und dort zusammensetzen.

In Frankreich haben die Antiquaires du bâtiment eine ebenso lange Tradition wie die Antiquitätenhändler, sagt die Französin Denyse Rischkopf, die 1982 mit ihrem deutschen Mann Günter Rischkopf am Starnberger See ihr Geschäft für Antikes Baumaterial eröffnete (www.rischkopf-antiques.de). Damals habe es hierzulande gerade mal drei oder vier Händler auf dem Gebiet gegeben und kaum eine ideelle oder finanzielle Wertschätzung handwerklicher Traditionen wie im Nachbarland. Ein Blick auf die Website www.origines.fr zeigt den hohen Standard des aktuellen französischen Angebotes. In Deutschland dagegen wurde in den siebziger und achtziger Jahren fast alles weggeschmissen, sagt Denyse Rischkopf. Die späte Erkenntnis, dass alte Bausubstanz, auch in ihren Einzelteilen, erhaltenswert ist, kommt die Deutschen heute teuer zu stehen.

Für ein Vielfaches des Werts vermittelte ein Händler 1994 aus Deutschland stammende Kalkstein-Bodenplatten über Frankreich zurück in die Hansestadt Hamburg für damals etwa 400 Mark je Quadratmeter.

Mittlerweile sind viele Großhändler in dem 1992 gegründeten Unternehmerverband Historische Baustoffe im Schwarzwald organisiert, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wie Kulturgüter früherer Jahrhunderte im Recycling-Verfahren vor Zerstörung zu retten und erhalten seien. Ein erster Höhepunkt für die Nachfrage von kunsthandwerklichen Baustoffen und Kunsthandwerklichem aus Katen, Schlössern und Kirchen war im Jahr 2000 zu verzeichnen. Nach einer konjunkturellen Flaute in den darauffolgenden Jahren scheint der europäische Markt nun wieder kräftig anzuziehen, wie Denyse Rischkopf sagt. Und auf einer Spitzenmesse wie der Tefaf in Maastricht erfreuen sich historische Tapeten oder komplette Interieurs aus Schlössern neuer Beliebtheit.