Es muss ein unangenehmes Treffen gewesen sein. Vier ranghohe deutsche Medienpolitiker haben sich in der vergangenen Woche mit einem ranghohen EU-Wettbewerbshüter zusammengesetzt, und lebten wir noch im Mittelalter, die Deutschen hätten wohl ein weißes Büßerhemd getragen. Martin Stadelmeier und Rainer Robra, die Chefs der Staatskanzleien in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt, dazu Miriam Meckel, Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalen, und Hansjörg Kuch, ein Beamter aus der bayerischen Staatskanzlei - die vier wollten erkunden, was ihnen und den öffentlich-rechtlichen Sendern aus Brüssel droht. Und wie sie das Drohende abwenden können.

Anlass ist eine vorläufige Stellungnahme der EU-Beamten zu den Finanzen und dem Programm von ARD und ZDF. Sie schreiben, dass die Sender ihre privilegierte Stellung mehrfach missbrauchen und private Konkurrenten behindern würden. Indirekt heißt das auch, die deutsche Medienpolitik habe versagt, weshalb die EU jetzt übernehme.

Am Ende könnte die Sache vor dem Europäischen Gerichtshof landen, doch vorerst ist nichts entschieden. Noch kann verhandelt werden.

Die deutschen Landespolitiker haben viel zu verlieren. Es geht um ihre Gestaltungsmacht in Fernsehen, um ihre Kultushoheit. Wo sie jetzt noch landesfürstlich herrschen, weil sie allein für Kultur- und Bildungspolitik zuständig sind, werden sie demnächst möglicherweise durch die Europäische Union bevormundet.

Nach Meinung der Wettbewerbshüter benutzen ARD und ZDF die Gebühren, um den Markt für Sportrechte praktisch leer zu kaufen. Das sei nicht ihre Aufgabe.

Wenn die EU sich durchsetzt, werden begehrte Übertragungsrechte an die private Konkurrenz gehen. ARD und ZDF trifft das an einer besonders empfindlichen und schwachen Stelle. Viele Millionen schalten nur noch ein, wenn die Fußball-Nationalmannschaft spielt, ansonsten schauen sie Privatfernsehen. Der Sport ist also immens wichtig, um dem Gebührenzahler zu erklären, warum er zahlen muss.

Wenn es allein um den Sport ginge, ließe sich durchaus argumentieren: Es werde ohnehin Zeit, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihre Gebühren benutzten, um ihr übriges Programm zu verbessern. Doch in der EU-Haltung steckt eine gefährliche Logik. Könnte ein Diktat über den Sport nicht dazu führen, dass die EU-Beamten bald bestimmen wollen, wie viele Hollywood-Filme ARD und ZDF kaufen und senden? Oder Serien oder, oder ...