Die schroffe Schneelandschaft des Kaukasus macht vor der Kamera einiges her. Bis zum fernen Horizont erstreckt sich ihr strahlendes Weiß. Hat sich der Zuschauer an das gleißende Licht gewöhnt, wird er in der unwirtlichen Umgebung ein seltsames Treiben entdecken. Hiner Salems Film Wodka Lemon ist eine heiter-gelassene Entdeckungsreise in ein kurdisches Dorf in Armenien, das seit dem Ende der Sowjetunion von der Welt, vom Geld und der Arbeit abgeschnitten ist. Wenn ohnehin alles verloren scheint, warum sollte ein Regisseur seinen Helden dann auch noch die letzten Sehnsüchte nehmen? Bei Salem schmettert der Busfahrer Chansons, kommt man auf Klappstühlen zum Tratsch im Schnee zusammen, verliebt sich der alte Hamo in die schöne Witwe.

So zaghaft, wie sich die beiden annähern, verfolgt der Film ihre Liebesgeschichte. Doch wird sich der leicht absurde Tonfall von Wodka Lemon niemals über die bittere Realität hinwegsetzen. Eine Wodka-Bar an der vereisten Straße und eine Wohnung, die immer leerer wird, weil die Einrichtung verhökert werden muss - in diesem Film beleuchten die komischen Momente erst recht den Überlebenskampf im weißen Nichts.