DIE ZEIT: Deutschland diskutiert über das Wachstumsprogramm der Regierung. Zu Recht?

Jean Pisani-Ferry: Sicher ist, dass es keine Wunderwaffe für den Kaltstart einer Ökonomie gibt. Wir wissen, dass es nicht reicht, einfach auf einen Knopf zu drücken, ein paar Milliarden auszugeben, und schon läuft die Wirtschaft wieder. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass Wirtschaftspolitik sehr erfolgreich sein kann, wenn Worte und Taten im Einklang stehen und die Bevölkerung die Strategie versteht.

ZEIT: Wie in Amerika. Dort geht es der Wirtschaft viel besser als hierzulande - obwohl beide Anfang des Jahrtausends mit den Folgen der geplatzten New-Economy-Blase kämpfen mussten. Warum?

Pisani-Ferry: Zum einen reagiert die amerikanische Wirtschaft in der Regel schneller und heftiger auf Schocks. Dort werden in der Rezession Kapital und Arbeit radikal aus unproduktiven Wirtschaftszweigen abgezogen. Kommt dann der Aufschwung, sind neue Firmen entstanden, und deren Wachstum kann sich sehen lassen.

ZEIT: Auf gut Deutsch: Der US-Arbeitsmarkt ist flexibler. Weil Leute schneller entlassen werden können, erholt sich die Wirtschaft in der Krise schneller und stellt danach auch schneller wieder ein.

Pisani-Ferry: Nicht nur der Arbeitsmarkt, die gesamte amerikanische Wirtschaft ist flexibler. Beispielsweise finanzieren die Kapitalmärkte ganz unkompliziert neue Ideen.

ZEIT: Ist nicht auch die Wirtschaftspolitik anders?