Da dachte man, dass es eigentlich nicht noch schlimmer kommen könnte für das Brautpaar des Jahres. Doch weit gefehlt: Charles und Camilla, die am 8. April den Bund fürs Leben besiegeln wollen, kommen aus dem Schlamassel einfach nicht heraus.

Um eine mögliche Eruption des Volkeszorns zu vermeiden, hatten sie die Ankündigung ihrer Eheschließung mit der Versicherung gekoppelt, Camilla wolle nicht Königin werden, sondern sich mit dem Titel " Princess Consort " begnügen. Nun  sieht es so aus, als ob dieser Verzicht verfassungsrechtlich nicht möglich ist. Als Ehefrau von Prinz Charles wird Camilla zwangsläufig in dem Augenblick Königin werden, in dem ihr Ehemann den Thron besteigt. So jedenfalls sehen es die Verfassungsexperten der britischen Regierung.

Ausgelöst wurde die Episode durch eine Anfrage des Labour -Parlamentariers Andrew McKinlay. Der Hinterbänkler zählt zwar nicht zu den hellsten Köpfen seiner Fraktion, aber an antimonarchistischer Gesinnung lässt er sich so leicht von niemandem übertreffen. Seine parlamentarische Anfrage war sogar ein listiger Schachzug. Sie diente einzig und allein dazu, Camilla in eine Waffe gegen die Monarchie zu verwandeln. Die Vorstellung, der "Rottweiler", so Prinzessin Dianas wenig freundlicher Spitzname für ihre Rivalin, könne Königin werden, versetzt Millionen von Diana-Fans nach wie vor in helle Wut.

Camilla ist für viele Frauen die böse Fee geblieben, die man verantwortlich macht für das Scheitern der "Traumehe" zwischen Charles und Diana. Dass die Prinzessin der Herzen selbst alles andere als ein Unschuldslamm war, dass sie einen Liebhaber nach dem anderen vernaschte und wie niemand sonst im Windsor-Clan die Medien brillant für ihre Zwecke zu manipulieren verstand, ist zu ihnen nicht durchgedrungen. Es geht ihnen einzig und allein um Rache. Camilla und Charles müssen für ihre Untaten büßen.

Die Antiroyalisten spielen mit dem Thema "Queen Camilla" also einen ihrer stärksten Trümpfe aus. Will Camilla bei dem Verzicht auf den Titel Königin bleiben, bedarf es einer Gesetzesänderung nicht nur in Großbritannien, sondern in gleich siebzehn Staaten, von Kanada bis Australien; überall da also, wo der britische Monarch als Staatsoberhaupt fungiert.

Das Kalkül der Antiroyalisten ist leicht nachzuvollziehen. Sie rechnen damit, dass sich einige Parlamente der betroffenen Länder dann lieber gleich für den Status einer Republik entscheiden werden als Camilla zuliebe ein gesetzliches Relikt abzuschaffen. Man wird sehen, ob die Rechnung aufgeht.
Antiroyalisten sind bekannt dafür, dass sie sich gerne vom Wunschdenken hinwegreißen lassen und unbequeme Realitäten verkennen. Weshalb alle paar Jahre wieder republikanische Kampagnen, die von Zeitungen wie Guardian , Independent oder Observer angezettelt werden, wie das Hornberger Schießen ausgehen.

Die Menschen mögen nicht länger mehr in Ehrfurcht erstarren vor königlichen Hoheiten, aber am Ende ziehen sie die genetische Lotterie der Erbfolge, die in einer Monarchie nun mal gegeben ist, immer noch einer Lösung vor, die einen gewählten Politiker an die Spitze des Staates hieven würde. Zumal sich langsam herumzusprechen beginnt, dass sich die konstitutionellen Monarchien in Europa zugleich als die stabilsten Demokratien erwiesen haben. Eine Tatsache, vor der linke und liberale Republikaner gerne die Augen verschließen. 

Vor fünf Jahren hatten die Australier in einem Referendum die Chance, den Anachronismus zu beenden, wonach eine ausländische Queen auf der anderen Seite des Globus als ihr Staatsoberhaupt fungiert. Doch eine deutliche Mehrheit entschied sich gegen die Republik, vor allem deshalb, weil sie den eigenen Volksvertretern nicht trauten. Die McKinlays im Unterhaus mögen im Augenblick den Aufruhr genießen, den ihr verfassungsrechtlicher Vorstoß ausgelöst hat. Aber sie sollten sich keinen Illusionen hingeben über die bleibende Wirkung ihres Schachzugs. Ohnehin werden noch einige Jahre verstreichen, bevor Charles den Thron besteigen wird. Die Queen, die sich guter Gesundheit erfreut, könnte sich angesichts der Camilla-Kampagne darin bestärkt fühlen, das Amt nicht vorzeitig zugunsten ihres ältesten Sohnes aufzugeben.