Der Kanzler hatte sich am Donnerstag mit Angela Merkel (CDU) und Edmund Stoiber (CSU) im Grundsatz auf Steuersenkungen für Unternehmen sowie Bürokratieabbau verständigt. Schröder kündigte im ZDF Steuersenkungen noch vor der Bundestagswahl 2006 an und schloss neue Schulden zur Finanzierung erneut aus. Da die Union nicht alle Finanzierungsvorschläge angenommen habe, sei sie nun in der Pflicht, Alternativvorschläge zu machen.CDU-Chefin Merkel sagte: "Der gute Wille ist da, die Steuersenkungen durchzuführen." Regierung und Opposition seien sich einig, dass dies aufkommensneutral geschehen muss. "Wenn man nicht genügend Gegenfinanzierung findet, muss man gegebenenfalls kleinere Schritte gehen."Während Schröder "wichtige Vereinbarungen" des Job-Gipfels betonte, fiel Merkels Bewertung zurückhaltender aus. "In einigen Feldern ist es gelungen, punktuelle Projekte auf den Weg zu bringen", sagte sie im ZDF. Bei wichtigen Zukunftsfragen wie der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts sei die Rot-Grün jedoch nicht handlungsfähig.Die Regierungserklärung Schröders und das darauf gefolgte Spitzentreffen stehen auch im Zentrum weiterer Beratungen an diesem Freitag. Die Bundestagsfraktionen wollen in Berlin über die einzelnen Maßnahmen beraten. Schröder will die SPD-Abgeordneten informieren.SPD-Linke, die zuvor Bundespräsident Horst Köhler für seine ökonomisch geprägte Rede vom Dienstag scharf kritisiert hatten, lobten demonstrativ die Regierungserklärung Schröders. "Das war eine gute Rede zum richtigen Zeitpunkt", sagte der saarländische SPD-Chef Heiko Maas der "Berliner Zeitung" (Freitag). "Eine Unternehmensteuerreform, bei der die nominalen Steuersätze gesenkt, aber Abschreibungsschlupflöcher gestopft werden, sorgt für mehr Gerechtigkeit und bessere Wettbewerbsbedingungen der deutschen Wirtschaft."Nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) war der Job-Gipfel im Bundeskanzleramt "viel lärm um wenig Fortschritte". DIW-Präsident Klaus F. Zimmermann sagte der "Berliner Zeitung": "Obwohl meine Erwartungen nicht groß waren, ist noch weniger herausgekommen, als ich zu hoffen wagte." Er vermisse konkrete Vorhaben zum Subventionsabbau und zur Senkung der Lohnnebenkosten.