Die Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder zur Krise auf dem Arbeitsmarkt hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die EU-Kommission begrüßte den Vorschlag Schröders, die Unternehmenssteuern von 25 Prozent auf 19 Prozent zu senken. Damit könnte das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden, sagte eine Kommissionssprecherin. "Wir sind beruhigt zu sehen, dass Kanzler Schröder versichert, dass diese Reduzierungen Defizit-neutral sein sollen."

Den Bundesverband mittelständische Wirtschaft stimmen die Pläne der Regierung ebenfalls optimistisch. "Die Reformschritte gehen durchaus in die richtige Richtung. Sie reichen allerdings zur Entlastung der Klein- und Mittelbetriebe bei weitem nicht aus", sagte Verbandspräsident Mario Ohoven. Auch die Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer sieht ein "durchaus positives Signal".

Dagegen kritisierte die deutsche Exportwirtschaft die Pläne als unzureichend. "Das bringt jedenfalls keinen Schwung in den Arbeitsmarkt", sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des Groß- und Außenhandels. Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks ist unzufrieden. Es fehlten Vorschläge, die dazu beitragen könnten, die schwache Auftragslage zu verbessern.

Ebenso reagierte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft. Der Kanzler habe das Thema Lohnnebenkosten ausgeklammert, sagte Institutsdirektor Michael Hüther. "Hier liegt aber der Hebel, etwas für kleine und mittelständische Unternehmen zu tun." Auch das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) erwartet, dass Schröders Vorschläge keine kurzfristige Entlastung auf dem Arbeitsmarkt bringen. "Die Unternehmen brauchen Zeit, um Vertrauen zu fassen und ihre Investitionspläne anzupassen", sagte der HWWA- Arbeitsmarktfachmann Jörg Hinze. Langfristig seien die Steuererleichterungen aber sinnvoll und notwendig.