US-Präsident George Bush eilte unverzüglich aus seinem Osterurlaub zurück nach Washington DC. Auch Senat und Abgeordnetenhaus ließen ihre Angehörigen zu Sondersitzungen in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten zusammenkommen. Es handelte sich allerdings nicht etwa um eine innenpolitische Krisensitzung oder eine terroristische Bedrohung von außen, die keinen Aufschub zuließ. Vielmehr war es die Koma-Patientin Terri Schiavo, die für die außerordentlichen Treffen der höchsten Repräsentanten des Landes sorgte.

Schiavo erlitt als 26-Jährige einen Herzanfall, der dazu führte, dass ihr Hirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurde, wodurch sie ins Koma fiel. Das war im Februar 1990. Seitdem wird sie künstlich am Leben gehalten und über eine Magensonde ernährt. Acht Jahre später beantragte ihr Ehemann Michael, die künstliche Ernährung zu beenden. Er und Freunde des Ehepaares behaupten, dass die inzwischen 41-jährige Ehefrau vor dem Koma gesagt habe, sie wolle in einem solchen Zustand nicht am Leben erhalten werden. Im Februar 2000 gab ihm der zuständige Bezirksrichter George Greer Recht und ordnete die Abschaltung der Geräte an.

Die streng katholischen Eltern der Patientin, Mary und Bob Schindler, ließen dies aber verhindern. Zwei Tage nachdem die Magensonde entfernt worden war, verfügte ein anderer Richter die vorläufige Wiederaufnahme der Ernährung. Die Eltern werfen ihrem Schwiegersohn vor, er wolle nur endlich seine neue Partnerin heiraten, mit der er auch schon zwei Kinder hat, und behaupten wiederum, ihre Tochter würde immer noch Reaktionen zeigen. Die Ärzte bestreiten jedoch, dass die Patientin jemals wieder normale kognitive Fähigkeiten erlangen kann.

2003 wurde die künstliche Ernährung erneut gestoppt, doch nun trat die Politik auf den Plan: Das Parlament von Florida beschloss ein Eilgesetz, das Gouverneur Jeb Bush das Recht gab, die Wiederaufnahme der künstlichen Ernährung anzuordnen. Daraufhin erklärt das oberste Gericht des Bundesstaates das Gesetz für verfassungswidrig. Richter Greer ließ die Magensonde am 18. März erneut entfernen. Jetzt schaltete sich Washington ein und reagierte auf die Demonstrationen und Aktionen der religiösen Rechten.

Die politische Einflussnahme gipfelte schließlich im Rückruf der Abgeordneten des Repräsentantenhauses aus den Osterferien, dessen Ruf auch die Senatoren folgten. Beide Häuser des amerikanischen Kongresses beschlossen am 21. März ein Gesetz, um mit einer klaren Dreiviertelmehrheit die Wiedereinsetzung der Magensonde zu ermöglichen. George Bush wartete bereits, frisch aus Texas zurückgekehrt, im Weißen Haus, um das Gesetz zu unterzeichnen. Er ermöglichte damit zumindest einen Aufschub für die Entscheidung über das Leben der Komapatientin – ein Privileg, das kein Todeskandidat während Bushs Regierungszeit in Texas je genoss.

Das Eilgesetz ermöglichte es den Eltern vor ein Bundesgericht zu ziehen. Der nun zuständige Richter James Whittemore aus Tampa im US-Staat Florida wies jedoch heute den umgehend eingereichten Widerspruch ab. Die Eltern hätten keinen Nachweis erbracht, dass die verfassungsmäßigen Rechte ihrer Tochter verletzt wurden. Ihnen bleibt nun nur noch die Berufung vor dem Obersten Gerichtshof der USA, der sich allerdings zu einem vorherigen Zeitpunkt für nicht zuständig erklärt hatte. Die Zeit drängt allerdings, denn ohne künstliche Ernährung wird Terri Schiavo in wenigen Tagen verdurstet sein.