Eine Koalition militanter Palästinenser-Gruppen hat am Freitag mit der Wiederaufnahme von Anschlägen gegen Israel gedroht, obwohl andere Gruppen am Vortag ihren Gewaltverzicht  verlängert hatten. Mohammed Abdel-Al, ein Sprecher der Dachorganisation Volkswiderstandskomitees (PRC), sagte, die Palästinenser-Regierung habe sie nicht zu den Gesprächen nach Ägypten eingeladen. Die dort  getroffene Vereinbarung sei für die PRC daher nicht bindend.

Führende Vertreter von dreizehn Palästinenser-Organisationen hatten sich am Donnerstag in Kairo auf eine Ruhe-Periode geeinigt, die bis Ende des Jahres dauern soll. Mit dieser Entscheidung gaben sie Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Zeit, weitere Verhandlungen mit Israel zu führen.

In der von den Organisationen verabschiedeten Erklärung heißt es: "Die Anwesenden haben sich auf ein Arbeitsprogramm für 2005 geeinigt und beschlossen, dazu beizutragen, dass die Situation ruhig bleibt. Im Gegenzug soll Israel alle Formen der Aggression gegen unser Land und unsere Bürger einstellen, wo immer sie sich auch befinden, und alle Gefangenen freilassen." Ein Sprecher der radikalen Organisation Hamas sagte, die "Ruhephase" sei auf dieses Jahr begrenzt. Das Wort "Waffenruhe" vermieden die Teilnehmer der Verhandlungen.

Israel hatte ein Ende der Anschläge zur Bedingung für Verhandlungen gemacht. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon begrüßte die Ruhe-Periode und nannte sie einen ersten positiven Schritt. Verhandlungen mit den Palästinensern könnten jedoch erst weitergehen, wenn das Problem der bewaffneten Terror-Gruppen gelöst sei. Israelischen Behörden liegen nach eigenen Angaben Hinweise auf weitere Anschlagspläne radikaler Palästinenser vor. Israelische Sicherheitskräfte hätten in den vergangenen beiden Wochen mehr als zehn Selbstmordattentate vereitelt, hieß es.

Die Vereinigten Staaten kritisierten die Erklärung einer Ruhe-Periode als "nicht ausreichend". Der Beschluss bleibe hinter der amerikanischen Forderung nach einem Gewaltverzicht zurück, sagte der Sprecher des Außenministeriums. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana begrüßte die Einigung der palästinensischen Autonomiebehörde mit den militanten Palästinenserorganisationen dagegen als "einen sehr ermutigenden Schritt". Er hoffe, dass diese Entwicklung andauern und noch gefestigt werde, indem sich die Palästinenser endgültig von der Gewalt abkehrten, sagte Solana.