Am Start in der Limousine: Stephan Lebert, ZEIT-Reporter, im Peugeot 407 HDI 2.0 Zwischen zwei Autos

Was tun, wenn man mit seinem Wagen eigentlich ganz glücklich ist, aber dann gefällt einem plötzlich ein anderer?

Neulich wollte ich die Sensibilität einer Kollegin testen. Ich fragte, ob sie das unangenehme Gefühl kenne, wenn man einen Tag lang noch beide Autos habe, das alte sei noch nicht weg, das neue sei schon da. Wieso unangenehm?, fragte sie zurück. Na ja, antwortete ich, dieses schlechte Gewissen dem alten Auto gegenüber, so lange habe es einen tapfer durch die Gegend gefahren, und jetzt präsentiere man ihm den neuen, jungen Nachfolger. Die Kollegin schüttelte nicht einmal den Kopf, sondern bekam einen Anti-Sensibel-Blick, nach dem Motto: Was es nicht alles für gefühlige Naturen gibt. Dann sagte sie noch, das sei einer der fundamentalen Unterschiede zwischen Mann und Frau – Frauen freuten sich vor allem auf das Neue, während Männer immer irgendwas nachtrauerten.

Meine Situation im Konkreten: Für diesen Autotest fahre ich 14 Tage lang einen Peugeot 407, Farbe Silber. Mein normales Auto ist ein Stückchen kleiner, ein Peugeot 307, Farbe Schwarz. Sie mussten also sozusagen zwei Wochen miteinander verbringen. Ich wollte eigentlich die beiden abwechselnd fahren, der Gerechtigkeit wegen und so, doch daraus wurde nichts. Um es gleich vorwegzunehmen: Der neue Peugeot ist großartig, fährt sich super, sieht auch ziemlich schick aus. Mein alter schwarzer Peugeot, der eigentlich auch toll ist, wurde immer schmutziger in seiner Parklücke. Ich versuchte ihn von Tag zu Tag intensiver zu ignorieren.

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Normalerweise bin ich immer nett zu meinem Auto, weil ich will, dass es auch nett zu mir ist. Denn Autos können einen in sehr unangenehme Situationen bringen. Ich hatte mal einen Opel, dessen Schwachstelle war der Regen. Immer wenn es länger regnete, wurde die Verteilerkappe irgendwann nass, irgendwann auch der Verteiler, und irgendwann blieb der Wagen stehen. Zum Beispiel eines Nachts, weit nach Mitternacht, irgendwo nahe der deutsch-französischen Grenze. Man, das hieß, ich musste irgendwie diese Kappe herunterzerren und alles trocknen. Im Trommelregen. Solche Situationen sind der Stimmung innerhalb von Beziehungen nicht besonders förderlich. Auch deshalb nehme ich persönlich es einem Auto schon übel, wenn es plötzlich einen Plattfuß hat und keine Tankstelle in der Nähe ist. Man also beweisen muss, wie gut man einen Reifen unter unwirtlichen Bedingungen wechseln kann.

Früher gab es in der ADAC-Zeitung eine regelmäßige Kolumne, in der Autofahrer ihre unglücklichen Erlebnisse mit ihren Wagen beschrieben. Das war immer höchst vergnüglich, an meinen absoluten Liebling erinnere ich mich heute noch: Ein Herr Bier hatte sich einen neuen Karman Ghia, Cabriolet, gekauft. Das schöne Auto hatte Probleme mit seiner Elektronik, was unter anderem dazu führte, dass, immer wenn die Scheibenwischer eingeschaltet wurden, sich das Cabriodach öffnete. Keine glückliche Kombination. Herr Bier beschrieb eine Katastrophe nach der nächsten, dazwischen immer wieder Fahrten zur Werkstatt. Was er nicht geschrieben hat: Vielleicht war Herr Bier zu seinem Karman Ghia irgendwann böse gewesen, und von da an rächte sich der Wagen.

Reden wir von dem Neuen, dem Peugeot 407, »dem neuen Gesicht in der Mittelklasse« (Presse-Info), viertausendsechshundertsechsundsiebzig Millimeter lang. Diese Längen-Information steht auch im Pressematerial: »Den Peugeot-Designern ist es bei der Gestaltung der 4.676 Millimeter langen Limousine gelungen, Licht- und Schattenspiele mit Geschick so einzusetzen, dass eine schwungvolle Skulptur entstanden ist.« Klingen tausend Millimeter besser als ein Meter? (Vielleicht wird man sich daran bald auch bei uns Menschen gewöhnen müssen: Mein Name ist … und ich bin achtzehnhundertzweiundsiebzig Millimeter groß.) Eine andere Info ließ mich hingegen eher ratlos zurück: »Neun Airbags sorgen für umfassenden Insassenschutz.« Neun? Wo sind die?

Das Studieren des Infomaterials ist vor allem deshalb immer höchst lohnend, weil man so nette Worte findet. Mein Lieblingswort beim Peugeot 407: Giergeschwindigkeit. Dieses Wort taucht in folgendem Zusammenhang auf: »In der Bremsanlage ist außerdem die Stabilitätskontrolle oder Fahrdynamikregelung integriert, die über Sensoren Leitwinkel und Giergeschwindigkeit misst und damit eine eventuelle Tendenz zum Übersteuern erkennt.« Ich plädiere für den Siegeszug dieses Wortes: Die Giergeschwindigkeit auf den Autobahnen beträgt 130.

Großartig, was so ein modernes Auto alles kann. Die Klimaanlage kommuniziert mit den Scheibenwischern, die Bremse mit der Hinterachse. Und der Wagen hat auch eine soziale Komponente, denn durch »eine bessere Verteilung der Aufprallenergie« wird das »nötige Absorptionsvermögen« erreicht, das »inbesondere zum Schutz von Fußgängern unerlässlich ist«. Also, wenn man schon überfahren wird, dann am besten von diesem Wagen. Obwohl »die Rohkarosse eine bisher von den Limousinen der Löwenmarke unerreichte Torsionssteifigkeit (0,77 mrd bei einem Moment von 100 mdaN) aufweist«.

Ich fasse zusammen: Ich war ein bisschen traurig, als ich den Neuen nach zwei Wochen wieder abgeben musste. Ein hübsches, schnelles Auto ist dieser Peugeot 407. Dass er ein Diesel ist, ist mir gar nicht aufgefallen. Er beschleunigt gut an der Ampel und noch besser vom zweiten auf den dritten Gang. Man sitzt bequem und kann im Handschuhfach 1,5-Liter-Flaschen kühlen. Er hat einen Preis, der einen wirklich überlegen lässt, ob das nicht der nächste Wagen wird (nur möchte ich ihn nicht in Silber, das habe ich noch nie verstanden, warum Silber schon seit Jahren die Lieblingsautofarbe der Deutschen ist). Nur in einer Sache ist mein alter Peugeot besser: Wenn man sich mal für einen Moment nicht anschnallt, taucht bei ihm ein rotes Lämpchen auf, beim Neuen piepst eine eklige Sirene, die nervt. So plump lässt man sich dann doch nicht gern von seinem Auto erziehen.

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