Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem selbst die vornehme "Club Class" von British Airways den Ansprüchen nicht mehr genügt. Trotz der großzügigen "Executive Lounges" an den Flughäfen Heathrow und Gatwick, die man als Club-Class-Passagier benutzen darf. Trotz der dort angebotenen erlesenen Weine, trotz der Ausstattung, die selbst jene des Londoner Ritz-Hotels in den Schatten stellt. Das alles nutzt nichts, wenn vor der Lounge das ganz normale Chaos eine Großflughafens wartet: Lautsprecherdurchsagen, Blinklichter, nervende Pauschaltouristen.

Selbst Inhaber goldener Airline-Kundenkarten müssen Schlange stehen. Passkontrolle. Sicherheitskontrolle. Bordkartenkontrolle. Schließlich sitzen sie im Flugzeug, und das Flugzeug steht Schlange. Es wartet auf die Enteisungsmaschine, die mit der Arbeit nicht mehr nachkommt. Zehn Minuten. 20 Minuten. Dann ist die Startbahn überlastet, der Luftraum verstopft, die Genehmigung zum Abflug fehlt. Erst mit 40 Minuten Verspätung rollt die Boeing zur Startbahn.

Es geht auch anders. Eine Mercedes-Limousine wartet vor dem Hotel. Der Chauffeur stellt sich höflich vor, öffnet die Tür und fragt, ob man auf der Fahrt ein Video ansehen oder lieber klassische Musik hören wolle. Die Limousine ignoriert die verstopften Straßen auf dem Weg nach Heathrow oder Gatwick, fährt lautlos zum Militärflughafen Northolt, nach Biggin Hill oder zum Jetcentre des London City Airport. Dort schreitet man, kaum zehn Meter vom Wagen, ins Terminal. Die Sicherheitskontrolle dauert nicht einmal eine halbe Minute.

Gleich dahinter wartet der Pilot und nimmt seinem Passagier das Handgepäck ab. Führt ihn direkt aufs Flugfeld und in den wartenden Jet. Eine Cessna Citation Excel, zwei Düsentriebwerke, Reichweite 3000 Kilometer. Drinnen schnallt man sich nicht in engen grauen Sitzen fest, sondern nimmt in beigen Ledersesseln Platz. Die Wände und Tische sind aus hochglanzpoliertem Wurzelfurnier gefertigt, die Lichtfassungen und Beschläge aus Messing. Fünf Minuten nach dem Einsteigen rollt der Flieger zur Startbahn und hebt ab.

So schön kann Fliegen sein.

Natürlich ist das etwas teurer als die 1088 Euro, die British Airways für ein Club-Class-Ticket von London nach Lissabon verlangt. Die vier Flugstunden in die portugiesische Hauptstadt und zurück kosten in der Citation Excel 26000 Euro. Sind alle sieben Sessel der Maschine besetzt, reduzieren sich die Kosten auf 3700 Euro pro Passagier – immer noch dreieinhalbmal so viel wie beim Linienflug mit British Airways.

Dennoch lassen sich immer mehr Spitzenmanager, Sportler, Showstars und Superreiche den Spaß so viel kosten. Noch vor drei Jahren landeten gerade mal 2000 Geschäftsflugzeuge jährlich auf dem London City Airport. Die Flughafendirektion prognostizierte für übernächstes Jahr eine Steigerung auf 7000 Flüge. Tatsächlich wurde dieses Ziel schon jetzt erreicht. Nun stellt sich der Flughafen auf 15000 Privatjets im Jahr ein.