Simbabwe Leitfaden für DiktatorenSeite 4/4

Manipuliere die Wahlen, aber lass dir niemals in die Karten schauen. Bei der Parlamentswahl sind nur ausgewählte Beobachter zugelassen, der Präsident will loyale Augenzeugen, keine neutralen, und, sieht man von ein paar Russen ab, schon gar keine Weißen. Sie könnten ja das regimefreundliche Wahlgesetz anprangern, den merkwürdigen Zuschnitt der Wahlkreise, das chaotische Wählerverzeichnis oder die Besetzung der »unabhängigen« Wahlkommission mit Parteisoldaten. Am Ende würden sie dann auch noch behaupten, der Urnengang sei weder frei noch fair gewesen.

Übrigens gibt es auch noch eine zweite hoch effektive Wahlwaffe: den Hunger. »Food for votes« lautet der inoffizielle Slogan. Wähle Zanu-Pf, dann bekommst du einen Sack Mais. Sollten bei der Endabrechnung immer noch ein paar Prozentpunkte fehlen, dann ist nach der alten Faustregel des Genossen Stalin zu verfahren: Es zählt nicht, wer wählt, sondern wer die Stimmen zählt.

Es gibt Berufsoptimisten wie David Coltart, den Schattenjustizminister der MDC, die dennoch an einen Triumph der Opposition glauben. Allein, die Partei des »Großen Vorsitzenden« wird gewinnen, so viel steht heute schon fest. Aber was kommt danach? Für die MDC beginnen harte Zeiten, manche Beobachter meinen, die Existenz dieser äußerst heterogenen Bewegung stehe auf dem Spiel – je nachdem, wie vernichtend die Niederlage ausfällt. Und so könnte der Hauptgegner der einen und einzigen Partei schon bald aus den eigenen Reihen kommen. Es darf jedenfalls auf eine zweite Fronde gehofft werden. Der erste interne Aufstand gegen den allmächtigen Mugabe wurde zwar im Dezember 2004 zerschlagen, aber die stählerne Einheit ist dahin, und die stillen Dissidenten sind mehr geworden.

Hinter vorgehaltener Hand wird eingeräumt, der starrsinnige Greis sei eine schwere Hypothek. Jüngere Kader fühlen sich durch den Absolutismus der Altersriege um Mugabe blockiert. Die Geschäftskartelle der Parteimafia ringen um Finanzquellen und Besitzstände, die in ihrem kaputtregierten Staat noch übrig geblieben sind – sie jagen sich gegenseitig zum Beispiel gestohlene Farmen ab. Und dann gibt es da noch diese ethnische Dreifaltigkeit, die wie ein Schatten über der Partei schwebt: der Präsident und seine zwei Stellvertreter Joseph Msika und Joyce Mujuru gehören zur selben Untergruppe des Mehrheitsvolkes der Shona, sie sind Zezuru. Den Karanga, der zahlenmäßig stärksten Untergruppe, missfällt das sehr – sie spekulieren nämlich auf die Nachfolge Mugabes.

Aber die normalen Simbabwer wissen nichts von den geheimen Diadochenkämpfen innerhalb der herrschenden Elite. Sie wirken entmutigt und lethargisch, sie haben genug zu tun mit den Widrigkeiten des Alltags, mit der wachsenden Armut und der miserablen Versorgungslage, vor allem aber mit den verheerenden Folgen von Aids. »Die Pandemie ist viel fataler als alles, was Mugabe anrichten kann«, sagt eine humanitäre Helferin. Die Zahl derer, die den alten Despoten loswerden wollen, wächst. Aber auch nach den Parlamentswahlen werden sie sich mit einer Selbsterkenntnis trösten müssen, die Robert Mugabe in einem Interview mit der ZEIT zum Besten gab: »Auch Mugabe ist sterblich.« Er sagte das 1996, als er noch in Ehren hätte zurücktreten können (ZEIT Nr. 15/96).

 
Service