Swing Der Hochzeitssänger

Auch das zweite Album des Kanadiers Michael Bublé besticht durch gelungene Rundumerneuerung alter Swinghits

Nein, an dieser Stelle wird Michael Bublé weder mit Frank Sinatra („der Sinatra des 21. Jahrhunderts“) noch mit Robbie Williams („der neue Robbie Williams des Swing“) verglichen. Schließlich hat er weder einen längeren Aufenthalt in einer Boygroup noch in einer Entzugsklinik vorzuweisen. Doch die Tatsache, dass Bublé ebenfalls sensationell swingen und mit hohem Wiedererkennungseffekt singen kann, verleitet Kritiker allzu leicht zum Schubladendenken. Trotz naheliegender Vergleiche hat es Michael Bublé verdient, losgelöst von ähnlich im Musikbusiness operierenden Sängern betrachtet zu werden.

Die Sangeskarriere des 26-jährigen Kanadiers begann früh. Großvater Bublé verkörpert in der Erfolgsstory die gute Seele. Er arbeitete in Vancouver als Klempner und tauschte kostenlose Reparaturarbeiten gegen Auftritte für seinen begabten Enkel. Der sang nämlich stets zu den Schallplatten seines Opas mit Ella Fitzgerald oder Ray Charles. Mit 17 Jahren erreichte Michael den ersten Platz beim Canadian Youth Talent Search. Seine Stimme - stark, warm und sehr angenehm - überzeugte schließlich Bublés Majordebüt in Evergreens wie Come fly with me , Fever oder The Way You Look Tonight . Neben einer Christmas-EP im letzten Jahr und zwei Beiträgen auf dem Soundtrack des Kinofilms Down with love veröffentlicht er nun mit It’s time seinen zweiten Longplayer, der mit bekannten Songs wie Save the last dance for me , Feeling Good oder Can’t buy me love auftrumpft. Bublé verleiht ihnen eine ganz persönliche Note, die neben einer weitaus schnelleren Bigbandnummer des Beatlessongs auch ein Duett mit Nelly Furtado bei Quando, quando, quando umfasst.

Bublé sollte man keinesfalls an anderen Interpreten messen, die Coverversionen entweder rockiger, swingender oder souliger intonieren. Wenn, dann lässt sich nur der faire Vergleich zum Original ziehen, der im Falle Stevie Wonder/Michael Bublé, Beatles/Michael Bublé oder Cole Porter/Michael Bublé oft positiv ausfällt. Was vor 50 Jahren schon gut ankam, spricht nun mit Streichern und sauberem Gesang in neu aufgenommener Qualität dafür, dass es nicht schadet, Altes wiederzubeleben.

Die weltweite Anerkennung von Michael Bublé spiegelt sich nicht nur in der tagelang ausverkauften Oper in Sydney oder einer gefüllten Londoner Royal Albert Hall wieder. Auch vier Millionen verkaufte CDs und internationale Platin- (u.a. Australien, Kanada, UK) und Goldauszeichnungen (u.a. Malaysia, Spanien, Taiwan) demonstrieren, dass die Menschen gefühlvoll und gut gemachten Swing lieben.

Doch sollte man beim Blick auf diesen jungen Sänger nicht nur auf das Gesangstalent und den medialen Erfolg verweisen. Klar, sein Charakter ist der eines Saubermanns und Schwiegersohnes. Er ist charmant und lächelt viel, doch mangelt es noch etwas an dem Entertainertalent. Aber man muss zum Gesamtpuzzle die kleine Anekdote erwähnen, die den Anstoß für die sicherlich dauerhafte Anwesenheit Bublés in den Chartspitzenpositionen gelegt hat: Auf der Hochzeit der Tochter des ehemaligen kanadischen Premierministers Brian Mulroney durfte Michael Bublé Mack the Knife singen. Auf diesen einmaligen Hochzeitssänger wurde der Produzent David Foster aufmerksam und Bublé bekam einen Plattenvertrag, der ihn von seiner bisherigen Independent-Arbeit erlöste.

Und am Ende darf auch nicht vergessen werden, dass Michael Bublé nicht ausschließlich Stevie Wonder, Frank Sinatra oder Nina Simone covert. Sein erster so genannter Adult-Contemporary-Hit namens Home zeugt von songschreiberischer Qualität.

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