Die Tür ist noch rund 40 Tage geöffnet. Dann läuft ein einmaliges Programm aus, mit dem Spanien illegalen Arbeitskräften aus dem Ausland den Eintritt in geregelte Verhältnisse ermöglicht. Bevor eine verschärfte Jagd nach Schwarzarbeitern starten soll, bekommen alle Nicht-EU-Ausländer damit die Chance, ohne Sanktionen und Ärger eine offizielle Arbeitsgenehmigung zu erhalten.

Der Ansturm ist groß. In Spanien gibt es derzeit 800 000 Einwanderer, die seit sechs Monaten bei den Gemeinden gemeldet sind, aber bisher weder eine Aufenthaltsgenehmigung noch eine Arbeitserlaubnis besitzen. 200 000 von ihnen haben sich in den ersten sechs Wochen schon um Legalität beworben. Jetzt kommen jede Woche fast 50 000 weitere hinzu. Jeder dritte Bewerber ist Ecuadorianer, die größten Gruppen danach stellen Marokkaner, Kolumbianer und Rumänen. Die meisten von ihnen haben oder suchen einen Job - als Putzkraft, als Hausangestellte, auf dem Bau oder im Tourismus.

Als Bedingung für eine erfolgreiche Bewerbung müssen die Antragsteller einen Arbeitsvertrag vorlegen, der über mindestens sechs Monate reicht, und sie müssen eine tadellose polizeiliche Führung nachweisen. Die Anträge dürfen im Übrigen allein die Arbeitgeber einreichen, mit Ausnahme bei Bewerbungen von Hausangestellten.

Dafür bekommen sie binnen weniger Wochen eine spanische Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, die zunächst für ein Jahr befristet ist, aber verlängert werden kann. Damit können sie sich auch innerhalb der Schengen-Staaten frei bewegen. Als Touristen oder Saisonarbeiter könnten sie auch nach Deutschland einreisen.

Das geschieht in einer Zeit, in der in Deutschland die Jobangst umgeht und der Bundeskanzler sich in Brüssel gegen die geplante Dienstleistungsrichtlinie einsetzt. Solange es jedoch noch keine einheitliche EU-Regelung gibt, erläutert Oscar Lobato von der Regierungsdelegation im südspanischen Cádiz, hänge es von der jeweiligen nationalen Gesetzgebung ab, ob Spaniens neue offizielle Gastarbeiter sich auch bei den europäischen Nachbarn verdingen dürfen.

Für Spanien beginnt mit der vor eineinhalb Monaten gestarteten Legalisierungsofferte ein breit angelegter Kampf gegen die grassierende Schwarzarbeit. Nach dem Auslaufen dieses Programms am 7. Mai will das Ministerium für Arbeit und Soziales landesweit eine halbe Million Unternehmen inspizieren, um illegal beschäftigte Einwanderer aufzuspüren. Eine noch nie dagewesene Serie von Kontrollen. Arbeitsminister Jesús Caldera kündigte ein rigoroses Vorgehen und harte Sanktionen gegen illegale Arbeit an. Derzeit muss ein Arbeitgeber für jeden Schwarzarbeiter mindestens 30 000 Euro Strafe zahlen. In schweren Fällen drohen sogar Freiheitsentzug und Enteignung.

Menschenrechtsorganisationen wie der ACOGE in Sevilla geht das derzeit laufende Legalisierungsprogramm allerdings nicht weit genug. Sie kritisieren, dass allenfalls die Hälfte der tatsächlich Betroffenen erreicht würde. Nach ihren Angaben lebt fast eine zusätzliche Million schutzlos arbeitender Ausländer und Einwanderer ohne Meldebescheinigung in Spanien, denen nicht aus einem Leben in der Illegalität herausgeholfen werde. Zudem bemängeln sie, dass es unter dem jetzigen Programm keine Familienzusammenführung gebe.