Es ist für gewöhnlich keine Nachricht wert, wenn in Washington jemand auf eine Bühne steigt und das Energiesparen predigt. Wenn er daran erinnert, dass Amerika ein Viertel des weltweit geförderten Öls verbraucht, aber nur drei Prozent der globalen Reserven auf eigenem Boden hat. Wenn er von einer Zukunft voller Elektroautos und alternativer Energiequellen schwärmt. Denn so redet hier ständig irgendjemand.

Über Gal Luft aber sollte man dennoch ein paar Worte verlieren.

Das liegt daran, dass seine kurz nach dem 11. September 2001 gegründete Umweltvereinigung IAGS (Institute for the Analysis of Global Security) so gar nicht zu den sonstigen Umweltorganisationen passt. Nicht nur hat sie eine Menge einflussreicher Freunde auf dem Capitol Hill gewonnen. Die meisten sind auch erzkonservative Falken aus der republikanischen Partei.

Luft ist im Washingtoner Regierungsviertel ein Insider. Ein Telefonat beginnt er schon mal damit, dass er "gerade auf den Treppen des Kapitols stehe". Vor ein paar Jahren war er noch Doktorand für strategische Studien an der Johns-Hopkins-Universität im nahen Baltimore. In seiner Dissertation beschäftigte er sich damit, wie man am besten eine Kriegskoalition zusammenstelle. "Was eine interessante Grundlage für diese Arbeit hier ist", sagt Luft und lacht, "diese ganzen Gruppierungen zusammenzuhalten." Zumindest an diesem Tag gelingt es ihm. Luft hat zu einem Lunch ins Rayburn House Office Building geladen, einen Steinwurf vom Kapitol entfernt. Der Versammlungsraum füllt sich schnell, kaum ein Platz bleibt frei.

Luft deutet auf eine Gruppe Anzugträger, die am Nebentisch Platz genommen haben. "Glauben Sie mir, diese Leute haben normalerweise mit Umweltschützern kaum einen gemeinsamen Nenner."

Tatsächlich, als die ersten Redner aufs Podium treten, sind für Umweltaktivisten ungewöhnliche Sprüche zu hören. Da ruft einer einen "nationalen Sicherheitsnotstand" aus. Beschwört, dass Ölpipelines und Tankertransporte immer größeren Gefahren durch Terroristen ausgesetzt seien. Ein anderer rechnet vor, dass China immer mehr Öl brauche, sich mit der arabischen Welt immer freundlicher stelle und dass es deshalb zu einem großen Showdown zwischen den Großmächten kommen könne. Ein Dritter führt aus, dass Kriege am Golf Milliarden um Milliarden kosteten und in den Preis für Öl gar nicht richtig hineingerechnet seien. Auch von Amerikas Ölkäufen im Nahen Osten hält er nichts: "Die Petrodollar, die wir bereitstellen, tragen maßgeblich zu unserem Terrorproblem bei."

Umweltschutz als Kampfmittel für mehr Sicherheit und gegen den Terrorismus – unter solchen und ähnlichen Parolen sind inzwischen 13 Organisationen der von Luft und seinem Institut gegründeten Koalition Set America Free beigetreten. Mit zehn weiteren will Luft gerade verhandeln, wobei nicht alle Gruppen hineindürfen, vor allem einige vom linken Spektrum nicht. "Wir wollen nicht als Hippies, als Grüne dastehen", sagt er. Gerne hat man aber zum Beispiel das erzkonservative Hudson Institute aufgenommen oder das ebenfalls konservative, stark sicherheitspolitisch ausgerichtete Center for Security Policy. Als klangvolle Namen stehen auf der Mitgliederliste auch der frühere CIA-Chef R. James Woolsey (der in diesen Tagen gerne demonstrativ mit seinem Energiesparauto Toyota Prius durch Washington kurvt) und der frühere nationale Sicherheitsberater Ronald Reagans, Robert C. McFarlane.

Bei genauerem Hinsehen sind die Vorschläge der IAGS und der Set-America-Free-Koalition eher als zahm einzustufen. Vor allem geht es um einen "Einsatz längst bestehender Lösungen", nicht um die fernere Zukunft, nicht um milliardenschwere Forschungsprojekte. Die rechten Ökos setzen sich ein für alternative Treibstoffe, die aus Pflanzen gewonnen werden, für mehr Elektro- und Hybridautos, leichtere Baumaterialien für Fahrzeuge und weniger Kleinlaster auf amerikanischen Straßen, energiesparende Reifen und so weiter. Ihr gesamtes Programm soll über die nächsten vier Jahre nur zwölf Milliarden Dollar kosten.