Wenn wir in diesen schweren Wochen vor dem 60. Jahrestag des Kriegsendes unter der Last der Weltkriegsbücher stöhnen, wenn wir, genervt von der endlosen Reihe der Untergangsfilme, den 8. Mai herbeisehnen, dann sollten wir eines bedenken: Am 9. Mai ist die deutsche Geschichte noch lange nicht vorbei. Dann geht sie erst richtig los. Für alle, die es noch nicht gemerkt haben: Das Jahr 2005 ist, jubiläumstechnisch, zweigeteilt. Erst kommt das Ende des Faschismus. Dann die deutsche Wiedervereinigung. Im Herbst jährt sie sich zum 15. Mal, und was uns bevorsteht, lässt sich mit einem Blick in das Programm des Mitteldeutschen Rundfunks erahnen. Gerade hat das MDR-Fernsehen eine dreiwöchige Medienkampagne unter dem Titel Der starke Osten gesendet.

Schon sucht der Sender Zeitzeugen und privates Filmmaterial für den zweiten Teil seines Multimedia-Projektes Damals in der DDR. Körbeweise Pionierhalstuch-Geschichten, Trabbi-Abenteuer, Stasi-Anekdoten sind bereits eingegangen. Und es werden täglich mehr! Mit den Konterfeis von Erich Honecker und dem Sandmännchen wirbt der MDR um weitere Zuschriften.

Schreiben Sie Ihre DDR-Geschichte! Ja, es ist wohl so, dass wir von Geschichtsschreibern umzingelt sind. Völker verrauschen, Namen verklingen, sagt Schiller, aber erst wenn alle Zeitzeugen gestorben sind, kann die Geschichte beginnen.