Das größte Problem der CDU ist zurzeit die FDP. In Nordrhein-Westfalen, wo in acht Wochen den Rot-Grünen der Todesstoß versetzt werden soll, wollen nur sechs oder sieben Prozent liberal wählen. Es könnte also sein, dass der FDP in NRW und vielleicht nicht nur dort die 5-Prozent-Hürde zu schaffen macht. Doch auch mit ein paar Stimmen mehr könnte es so kommen wie schon bei der Bundestagswahl 2002: Die FDP verdirbt einen Sieg des bürgerlichen Lagers.

Erstaunlich, wenn man bedenkt, wie schwach die Vorstellung von SPD, Grünen, CDU und CSU momentan meist ist.

Bei der Frage nach den Ursachen für das mickrige Erscheinungsbild der FDP drängt sich ein Mann ins Bild: Guido Westerwelle. Selten hat ein Vorsitzender so sehr das öffentliche Bild einer Partei geprägt wie er. Allerdings mit zu wenig Erfolg. Kein Wunder also, dass die FDP sich jetzt, da die Bundestagswahl naht, von ihrem Chef emanzipiert. Die Liberalen tun alles unterhalb der Schwelle eines Putsches, um die Guidoisierung der FDP rückgängig zu machen. So rückt mit Wolfgang Gerhardt jemand nach vorn, dessen Langweiligkeit allein schon als Beweis von Seriosität gelten soll und der sich, bei allem Respekt, ohne Westerwelles Image-Verlust weniger bedeutend ausnähme. Erst der Vergleich macht ihn zum Löwen.

Ernsthaftigkeit und Stetigkeit sind es vor allem, die bei Westerwelle vermisst werden. Darum hatte man ihn bereits gedrängt, auf das Amt des Außenministers zu verzichten. Schon damit war er als Vorsitzender halbiert.

Jetzt wird er geviertelt. Weil sich die FDP - jedenfalls bis zur NRW-Wahl - scheut, Westerwelle abzusetzen, wird der kleine Putsch des Wolfgang Gerhardt jetzt als vollkommene Arbeitsteilung zwischen dem Fraktions- und dem Parteivorsitzenden verkauft. Demnach soll der eine für die jungen Leute da sein und der andere für alle anderen. Nur leider ist Westerwelle nicht mehr Juli-Vorsitzender, sondern FDP-Chef. Er steht entweder an der Spitze - oder im Weg.

Gerhardt und die anderen Zurück-in-die-Zukunft-Herren wie Brüderle oder Solms können die FDP nicht wirklich führen. Alles an ihnen schmeckt nach der Ära Kohl. Und Mittvierziger, die dem Vorsitzenden das Wasser reichen könnten, finden sich in der FDP auch nicht. Westerwelle ist darum das größte Problem der FDP und auf absehbare Zeit auch die einzige Lösung.

Worin aber besteht dessen Schwäche und vor allem: Kann er sie beheben? Sein Hauptproblem liegt nach wie vor darin, dass die Ära Westerwelle/Möllemann nie wirklich aufgearbeitet wurde, weder in der FDP noch im Kopf ihres Chefs. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung antwortete Westerwelle jüngst auf die Frage nach seiner Seriosität: Ich bin dagegen, Volksnähe den anderen Parteien zu überlassen oder zuzusehen, wie Rechtsextreme immer erfolgreicher werden. Er ist also immer noch nicht von der Idee abgekommen, die schon 2002 die FDP ins Verderben führte, dass nämlich ausgerechnet die Liberalen und ausgerechnet Westerwelle Wähler einbinden könnten, die zum Rechtsextremismus neigen.