Die Welt trauert um Papst Johannes Paul II. Gleichzeitig richtet sich das Augenmerk auf die Nachfolge des beliebten, wenn auch nicht unumstrittenen Papstes. Johannes Paul II. war der erste nicht-italienische Papst seit mehr als 450 Jahren und hat die Geschicke der Kirche über drei Jahrzehnte geführt und geprägt. Johannes Paul II. - eine Stimme der Armen, Unterdrückten und Verfolgten - hat mit seinen Positionen zu weiblichen Priestern, gleichgeschlechtlichen Ehen und Empfängnisverhütung aber auch in besonderem Maße polarisiert. Der Wunsch nach einem Papst mit zeitgemäßen Ansichten wird daher von vielen liberalen Gläubigen geteilt.

Über die Nachfolge von Johannes Paul II. entscheidet einzig die Konklave: Die Kardinäle treten in geheimer Wahl zusammen, um den Papst zu wählen. Johannes Paul II. hat die meisten der 120 Kardinäle selbst ernannt und dabei solche Persönlichkeiten ausgewählt, deren Positionen in gesellschaftspolitischen Fragen wie Empfängnisverhütung oder Frauen im Priesteramt den seinen ähnlich sind.

Als besondere Favoriten gelten zwei italienische Kardinäle. Der Erzbischof von Mailand, Dionigi Tettamanzi, wird als aussichtsreicher Kandidat gehandelt. Der 71-Jährige gilt als Intellektueller, der frische Ideen mitbringen könnte. Auch dem 63 Jahre alten, moderaten Patriarch von Venedig, Angelo Scola, werden gute Chancen eingeräumt, da er die Unterstützung des einflussreichen Ordens Opus Dei hinter sich weiß.

Andererseits findet die katholische Kirche besonders in Lateinamerika, Afrika und Asien großen Zulauf, so dass dort Hoffnung besteht, erstmals in der Geschichte den Papst stellen zu können. Als aussichtsreich gilt hier Kardinal Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga aus Honduras, der sich dem Kampf gegen die Armut verschrieben hat. Auch Claudio Hummes, Erzbischof aus Sao Paulo, und Dario Castrillón Hoyos aus Kolumbien, könnten Nachfolger auf dem Heiligen Stuhl werden. In Asien ruhen die Hoffnungen auf dem 69-jährigen Erzbischof von Bombay, Ivan Dias. Und Afrika möchte den Nigerianer Francis Arinze zum Papst gewählt sehen.

Doch auch wenn mehr als die Hälfte aller Gläubigen aus der "Dritten Welt" stammen, bereitet es den Kardinälen Sorge, dass sich in der westlichen Welt der christliche Glaube auf dem Rückzug befindet. Besonderen Handlungsbedarf sehen deshalb viele Kirchenfürsten im Westen, wo die materialistische und individualisierte Lebenswelt im Gegensatz zur Religion einen größeren Stellenwert einnimmt.

Letztlich könnte aber auch die Herkunft der Kardinäle Einfluss auf ihre Entscheidung haben. Die größte Gruppe unter den Wahlberechtigten stellt Italien mit 20 Purpurträgern. Aus Europa kommen mit insgesamt 58 mehr als die Hälfte aller Kardinäle. Die Vereinigten Staaten sind mit elf Personen in der Konklave vertreten, Lateinamerika mit 21, Afrika und Asien jeweils mit zehn.