Sterben Wann wird der Tod zum Freund?Seite 8/8
von Renesse: Als ich mit 26 Jahren unseren ältesten Sohn bekam, war mein erster Gedanke: Der wird an meinem Grab stehen, wenn alles gut geht. Genauso wird es kommen. Ich vertraue darauf, dass er die Balance hält zwischen Liebe und Nüchternheit. Ich habe ihn zu meinem Bevollmächtigten ernannt.
Die Fragen stellten Tina Hildebrand und Martin Spiewak
Eine offene Diskussion.
Etwa sieben
Millionen Deutsche haben eine Patientenverfügung verfasst. Bisher kann
sich jedoch niemand darauf verlassen, dass sein Wille tatsächlich
respektiert wird. Die Rechtslage ist widersprüchlich, ein Gesetz fehlt
gänzlich. Mehrere Kommissionen haben Vorschläge erarbeitet, wie es
aussehen könnte. Die Hauptstreitpunkte: Wie verbindlich ist eine
Verfügung? Für welche Krankheitsfälle soll sie gelten, etwa für das so
genannte Wachkoma? Und: Wer entscheidet über die Interpretation des
Patientenwillens? Vergangenen Herbst legte das Justizministerium einen
Entwurf vor, der dies im Sinne einer weitreichenden Patientenautonomie
beantwortete. So sollten mündliche Verfügungen zugelassen werden, und
die Behandlung sollte auch eingestellt werden können, wenn Besserung
möglich ist. Nach Protest wurde der Entwurf zurückgezogen.
Klaus Kutzer
befasst sich seit Jahren als
Jurist und Mitglied der Hospizbewegung mit Fragen zum Ende des Lebens.
Bis 2001 war er Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof. Im
vergangenen Jahr stand der heute 68-jährige Katholik der von
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries eingesetzten Arbeitsgruppe
»Patientenautonomie am Lebensende« vor. Deren Empfehlungen bildeten die
Grundlage für Zypries’ Gesetzesentwurf zur Sterbehilfe
Margot von Renesse gilt als politische Expertin für ethisch heikle Fragen. Bevor sie in den Bundestag gewählt wurde, arbeitete die Mutter von vier Kindern knapp zwanzig Jahre lang als Familienrichterin. Die aktive Protestantin beschäftigte sich im Parlament bis 2002 mit Herausforderungen des medizinischen Fortschritts. Unter anderem leitete von Renesse die Enquetekommission Recht und Ethik in der modernen Medizin. Die 65-Jährige leidet an der Parkinson-Krankheit
- Datum 31.03.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 31.03.2005 Nr.14
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