Im Umweltministerium hat das Unheil einen Namen: Dosenpfand. Schon bei der bloßen Erwähnung der Pfandpflicht- und Verpackungsverordnung knautschen sich die Gesichter von Ministeriumsmitarbeitern im Referat Abfall zusammen wie Getränkedosen in der Recyclingpresse. Über 300 Prozesse von Händlern und Herstellern laufen gegen die Rücknahmeregelung.

Und jetzt gibt es noch so ein Gesetz.

Vom Jahr 2006 an soll das Elektrogesetz die Rücknahme und Verschrottung von Elektrogeräten regeln. Einen ähnlichen Aufstand wie beim Pfand können sich die Behörden nicht leisten. Auch den Elektrogeräte- und IT-Herstellern ist an einem reibungslosen Ablauf gelegen.

Eines haben die Beteiligten schon geschafft: Anders als die Pfandsache erregte das Elektrogesetz bislang kaum Aufsehen. Denn es kam schleichend, und die wahren Ausmaße des Gesetzes, das die EU vorgegeben hat, sind noch unklar. Hierzulande ist das nationale Regelwerk vergangene Woche in Kraft getreten.

Über die Verwertung von Elektroschrott wird seit 15 Jahren gestritten. Trotzdem blieben viele Fragen ungeklärt. Der Grund: Nicht nur Tausende von Herstellern und Händlern mussten sich verständigen, sondern auch viele hundert Kommunen.

Obwohl sich Behörden, Unternehmen und kommunale Entsorger inzwischen eine "gute Zusammenarbeit" bescheinigen, ist keine Seite so richtig mit der Endfassung des Gesetzes zufrieden. Weder die Hersteller, die Produkte künftig kennzeichnen und entsorgen müssen, noch der Handel, der demnächst für die Verschrottung seiner Eigenmarken-Geräte die Verantwortung trägt. Nicht einmal die Umweltschützer jubeln – im Gegenteil. Nachhaltigkeitsexperten wie Christine Ax vom Institut für Produktdauerforschung (IfP) warnen sogar, das Gesetz könne "ökologisch wie ökonomisch eher nach hinten losgehen".

Dabei ist der Ansatz sinnvoll und notwendig: Der Schrottberg aus Zweit- und Drittfernsehern, Firmen- und Partnerhandys, aus Bartschneide- und Kaffeemaschinen ist allein in Deutschland jährlich zwei Millionen Tonnen schwer und füllt einen Güterzug von Flensburg bis Venedig. Wer seine ausgedienten Büro-, Bad- und Küchenhelfer in den Hausmüll wirft, trägt dazu bei, dass Stoffe wie Quecksilber und Blei auf Deponien im Grundwasser versickern oder von Verbrennungsanlagen in die Luft geblasen werden. Das Gesetz soll deren Entsorgung regeln, indem es die Hersteller in die Pflicht nimmt: Sie sollen den Bürgern sämtliche elektrischen Geräte abnehmen, wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – aussortiert werden. Die grundsätzliche Regel: Je mehr ein Hersteller verkauft, desto mehr muss er auch verschrotten. Vorgeschrieben ist auch, dass der Elektromüll zu bestimmten Prozentsätzen wiederverwertet wird; Kühl- und Waschmaschinen beispielsweise zu 80 Prozent. Klingt nach einer guten Lösung, um den Schrottberg ökologisch korrekt abzutragen. Zumal die Verbraucher mal nicht draufzahlen sollen, wie das Gesetz mit dem Hinweis auf die "kostenlose Rückgabe für private Endnutzer" verspricht. Doch umsonst ist nicht einmal der Tod von Elektrogeräten.

Die Kommunen zahlen für Sammlung, Platz und Personal