In der letzten Zeit war er eigentlich nur als Werbeträger und teutonischer Hollywood-Bösewicht mit bizarr geflochtenem Ziegenbärtchen präsent. Nun hat sich Til Schweiger eigenhändig einen größeren Leinwandauftritt verschafft und lädt mit seiner zweiten Regiearbeit zur modernen Märchenstunde. In Barfuss inszeniert er sich als Frauenheld und abtrünniger Sohn aus reicher Industriellenfamilie. Während böser Stiefvater, karrieretüchtiger Bruder und gutherzige Mama im schönen Anwesen residieren, haust der liebenswerte Nick im abgerissenen Zimmerchen. Halbherzig versucht der durchgestylte Versager, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Es mutet etwas seltsam an, dass ein deutscher Film in diesen Zeiten ein verzogenes Millionärssöhnchen völlig unironisch aufs Arbeitsamt schickt. Nicht zu reden vom Putzjob in der Psychiatrie. Hier, wo er eine traumatisierte barfüßige Prinzessin kennen lernt, deren zarte Schritte mit Computerhall unterlegt werden, wo die endlosen Flure gediegen ausgeleuchtet sind und die Patienten goldene Krönchen tragen, kann der Hallodri endlich zu sich kommen. Nebenbei wird die Reifeprüfung mit viel Ausstattun]saufwand bis hin zur großen romantischen Kettenkarussell-Fahrt nostalgisch verklärt. Der Regisseur Til Schweiger erspart einem wirklich nichts, nicht einmal die unfreiwillig zynische Szene, in der er sich selbst im Designer-Anzug die Anstaltsflure auf Hochglanz feudeln lässt. Schön, dass das neue Verantwortungsbewusstsein der jungen deutschen Besitzklasse schon mal im Kino angelangt ist.