Die fetten Jahre sind vorbei ...

... aber nur für die Jüngeren. Ein Plädoyer für die gerechte Verteilung der Lasten zwischen den Generationen

Alte, gebt den Löffel ab!« Nachdem seine menschenverachtende Bemerkung völlig zu Recht einen Sturm der Empörung ausgelöst hatte, trat der Vorsitzende der Jungen Liberalen zurück. Ärgerlich an der Geschichte ist, dass solche effekthaschenden Verbalattacken auf die Senioren ein legitimes Anliegen der jungen Generation in Misskredit bringen: ihre Forderung nach »Generationengerechtigkeit«.

Dieses neue Leitbild erobert seit einigen Jahren die politische Agenda und macht dem Leitbild der letzten drei Jahrzehnte, der sozialen Gerechtigkeit, ernsthaft Konkurrenz. »Generationengerechtigkeit« hat durchaus das Potenzial, zum Wort des Jahres erkoren zu werden, denn der Begriff wird immer häufiger verwendet: S üddeutsche Zeitung, FAZ, Spiegel und taz nannten ihn im Jahr 2003 129-mal (2002: 74 Nennungen; 2001: 19 Nennungen). Der Generationengerechtigkeit ist im erneuerten Grundsatzprogramm der Grünen ein eigener Unterabschnitt gewidmet. Zentral ist ihre Rolle auch in der Diskussion um ein neues Grundsatzprogramm der SPD. In den Wiesbadener Grundsätzen der FDP steht Generationengerechtigkeit häufiger als soziale Gerechtigkeit, und die Junge Gruppe in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat ein viel beachtetes Positionspapier dazu herausgegeben.

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Der Siegeszug des Themas erklärt sich vor allem durch die »Wende zum Weniger«. Leider sind die Zeiten vorbei, in denen man hoffen durfte, dass die Kinder es einmal besser haben werden als ihre Eltern. Viele Errungenschaften des Wohlfahrtsstaates gibt es für die jüngere Generation nicht mehr oder nur noch in Miniaturausgabe. In der staatlichen Rentenversicherung erhalten laut Sachverständigenrat die im Jahr 2000 Geborenen eine um 25 Prozent niedrigere Rendite als der Jahrgang 1940. Auch in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst sind die Jüngeren schlechter gestellt. Während sie sich in prekären Arbeitsverhältnissen von Praktikumsplatz zu Praktikumsplatz hangeln, pochen die Älteren auf die Zusagen, die ihnen vor 30 Jahren gegeben wurden. Seit je gilt für die Beamten das Senioritätsprinzip, und in der freien Wirtschaft sind Jüngere leichter kündbar.

Seit dem letzten Tarifabschluss müssen bei Volkswagen neu eingestellte Mitarbeiter exakt dieselbe Arbeit verrichten wie die bereits etablierten – für 20 Prozent weniger Lohn. Bei Bosch bekommen Einsteiger 40-Stunden-Verträge, während ihre älteren Kollegen nur 35 Stunden abdienen. Im öffentlichen Dienst in Niedersachsen müssen die Neuen für das gleiche Gehalt 1,5 Wochenstunden länger arbeiten als Angestellte, die schon länger da sind; in Baden-Württemberg sind es gar 2,5 Wochenstunden. Besonders deutlich zeigt sich die neue Zweiklassengesellschaft bei den Betriebsrenten: Hier haben ältere Arbeitnehmer in Westdeutschland zum Teil üppige Ansprüche – Jüngere gehen oft leer aus.

Die fetten Jahre sind vorbei – aber nur für uns Junge. Darin liegt der Kern des Problems. Wenn Deutschland seinen Wohlfahrtsstaat zurückbauen muss, dann sollten Jung und Alt enger zusammenrücken und die Lasten gleichmäßig aufteilen.

Schon immer hatten verschiedene Jahrgänge unterschiedlich große Chancen auf dem Arbeitsmarkt und somit auf Wohlstand und Selbstverwirklichung. Entscheidend ist aber die Frage, ob dies Folge eines Unglücks ist – oder Ungerechtigkeit. Unglücklich wäre die Schlechterstellung einer Generation, wenn sie auf externe, von der Gesellschaft nicht beeinflussbare Umstände zurückzuführen wäre. Wenn aber Möglichkeiten, die Generationen einander gleichzustellen, von Interessengruppen oder einer Übermacht älterer Wähler blockiert werden, dann ist das ungerecht.

Zweifellos sind die Globalisierung und der dadurch verschärfte Wettbewerb externe Faktoren, die Deutschland zum Rückbau des Sozialstaats zwingen. Viele Firmen können sich freiwillige Sozialleistungen schlicht nicht mehr leisten. Dennoch ist nicht einsehbar, dass von den notwendigen Kürzungen nur bestimmte Gruppen betroffen sind.

Die Älteren verdienen von Jahr zu Jahr mehr – und leisten weniger

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