Wochenlang hat das irakische Parlament über die Koalitionsbildung gestritten. Gestern konnten sich die Abgeordneten immerhin auf einen ersten Schritt zur Regierungsbildung einigen: Das Parlament wählte den arabischen Sunniten Hadschim Al Hassani mit einer deutlichen Mehrheit von 215 von 275 möglichen Stimmen zu seinem Präsidenten. Hassani ist Industrieminister der bisherigen Übergangsregierung. Zu seinen Stellvertretern wurden der schiitische Politiker Hussain Al Schahristani und der Kurde Aref Taifour bestimmt.

In mehreren Sitzungen war es den Abgeordneten zuvor nicht gelungen, sich auf einen Kandidaten für diese weitgehend repräsentative Aufgabe zu einigen. Einig war sich das Parlament nur, dass ein arabischer Sunnit diesen Posten übernehmen sollte. Dadurch, so das Kalkül, würde die sunnitische Minderheit in den Regierungsprozess eingebunden – aufgrund eines Wahlboykotts konnten die arabischen Sunniten nur 17 von 275 Parlamentsplätzen besetzen.

Die Wahl von Hadschim Al Hassani zum Parlamentspräsidenten ist unter den irakischen Sunniten umstritten, weil er im vergangenen Jahr aus der Islamischen Partei ausgeschlossen worden war. Die Partei hatte damals beschlossen, sich wegen einer amerikanischen Offensive auf die Aufständischen-Hochburg Falludscha aus der Übergangsregierung von Ministerpräsident Ijad Allawi zurückzuziehen. Hassani hatte sich geweigert, seinen Posten als Industrieminister aufzugeben. Vor Reportern gibt sich Hassani bislang säkular. Allerdings werden seine früheren Verbindungen zur Irakischen Islamischen Partei als Indikator dafür gesehen, dass er auch konservative islamische Bestimmungen unterstützen könnte.

Der Posten des Parlamentspräsidenten ist für die Regierungsbildung entscheidend, weil er für die Bestimmung des Präsidenten und seiner beiden Vertreter verantwortlich ist. Dieser Präsidialrat wird vom Parlament gewählt und soll schließlich den Regierungschef vorstellen. Als Präsident wird der Kurdenführer Talabani gehandelt, der in den kommenden Tagen gewählt werden soll.