Mit der herben Niederlage bei den Regionalwahlen in Italien könnte sich ein Ende der Ära Berlusconi abzeichnen. Vor fünf Jahren hatte das rechte Lager um den Parteigründer und Medienunternehmer Silvio Berlusconi die Wahlen in 8 von damals 14 Regionen für sich entschieden. Dies war das Sprungbrett für den Sieg bei der Parlamentswahl im Jahr darauf. Auch der jetzige Urnengang wurde als Test für die nächste Parlamentswahl in etwa einem Jahr angesehen. Der Erfolg des Mitte-Links-Bündnisses scheint nun die Feuertaufe ihres Führers, des früheren EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi, gewesen zu sein. Das Duell zwischen Berlusconi und Prodi ist eröffnet mit besten Chancen für den Letzteren.

Berlusconi hat in den vergangenen vier Jahren nur wenig Sympathien bei seinen Landsleuten gewinnen können. Die ständig weiter gegen ihn laufenden Gerichtsverfahren führten ebenso zu einem Vertrauensverlust wie die vollmundigen Versprechungen, die meist nicht gehalten wurden. Die nach langem Zwist mit den Koalitionsparteien schließlich durchgesetzten Steuersenkungen waren auf der einen Seite zu gering, um die Italiener zu beglücken, andererseits wurden sie schnell durch eine Reihe anderer öffentlicher Gebührenerhöhungen aufgezehrt. Gegen das Berlusconi-Bündnis sprachen aber am lautesten in der öffentlichen Meinung die drastisch gestiegenen Lebenshaltungskosten.

Dass entgegen dem Trend in Deutschland und Frankreich die Arbeitslosigkeit in Italien nicht nur nicht anstieg, sondern sogar fiel, wurde von den Italienern Berlusconi nicht als eigener Verdienst angerechnet. Außerdem lehnte die große Mehrheit der Italiener den von Berlusconi unterstützen Irak-Krieg und die Entsendung einer eigenen italienischen Besatzungstruppe ab.

Geschadet hat dem Berlusconi-Lager "Haus der Freiheit" aus den Parteien Forza Italia, Alleanza Nazionale, Lega Nord und der Christdemokratischen Union im letzten Moment auch das Ausscheren der rechtsextremen Duce-Enkelin Alessandra Mussolini. Diese trat trotz eines Streits um Unterschriftenfälschungen mit einer eigenen Partei an und nahm der postfaschistischen Alleanza Stimmen ab