Syriens Präsident Baschar al-Assad hat UN-Generalsekretär Kofi Annan zugesagt, er wolle eine unabhängige Kommission unterstützen, die den Mord an dem früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri untersuchen soll. UN-Diplomaten hatten zuvor gesagt, die libanesische  Regierung sei "zur Zusammenarbeit mit den UN im Rahmen der libanesischen Souveränität und der Gesetze des Landes bereit".

Ein UN-Expertenteam hatte den libanesischen Ermittlern, die den Mord untersuchen, in der vergangenen Woche gravierende Fehler vorgeworfen. Die UN-Experten berichteten von einem "Versagen auf dem Gebiet der Sicherheit und der öffentlichen Ordnung im Libanon" und machten "die libanesischen Sicherheitskräfte und die syrischen Geheimdienste für diesen Misserfolg" verantwortlich. Sie deckten auch "schwerwiegende Mängel" der libanesischen Ermittlung auf. Eine faire Untersuchung sei nicht möglich, "solange die aktuelle Hierarchie der libanesischen Sicherheitskräfte fortbesteht."

Die offizielle Antwort des Libanons auf diese harten Worte kam schnell und fiel überraschend aus. Präsident Emile Lahoud, der als eines der wichtigsten Symbole der syrischen Einmischung im Libanon gilt, sagte, seine Regierung kooperiere schon mit einer internationalen Untersuchungskommission. Bevor die Ermittlungen nicht abgeschlossen seien, sei jede weitere internationale Untersuchung ein "Verstoß gegen die libanesische Souveränität".

Die anti-syrische Opposition, die vor allem Drusen, Christen und Sunniten umfasst, betrachtet den UN-Bericht mit Zufriedenheit. Sie sieht sich in ihren Forderungen bestätigt. Dagegen kritisierten die Minister der pro-syrischen Regierung die Beschlüsse als "rein politisch und vordergründig". Ein Teil der libanesischen Bevölkerung, hauptsächlich Schiiten, teilt diese Meinung.

Zu Hunderttausenden waren die Pro-Syrer auf Initiative der schiitischen Hisbollah am 9. März gegen alle ausländischen "Einmischungen" in Angelegenheiten des Libanons auf die Straße gegangen. Die pro-syrischen Kräfte treibt die Angst, die syrische Präsenz könnte durch eine andere Macht - sprich: die amerikanische - ersetzt werden; zum Vorteil des Feindes Israels.

Diese Angst wird durch Forderungen an die Hisbollah verstärkt, ihre Waffen abzugeben. Die "Partei Gottes" unterhält die stärkste Streitmacht unter den libanesischen Milizen. Aus ihren Stellungen im Libanon greifen Hisbollah-Kämpfer immer wieder Israel an. Nun wächst der Druck aus dem Ausland. Doch trotz dieser Unterstützung scheint die libanesische Opposition noch nicht bereit zu sein, die Hisbollah herauszufordern. Die Schiiten-Partei wird von vielen Libanesen immer noch als Symbol des nationalen Widerstandes gegen den südlichen Nachbarn wahrgenommen.