Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen will Kriegsverbrecher aus dem Sudan verfolgen. Das Gremium beschloss, dass Kriegsverbrecher, die in der westsudanesischen Region Darfur Untaten gegen die Menschlichkeit begangen haben, vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt werden sollen. Mit diesem Beschluss geht ein erbitterter Streit zwischen den Vereinigten Staaten und den Europäern zu Ende.

Die Resolution, die von Frankreich eingebracht wurde, sieht vor, dass alle Fälle seit dem 1. Juli 2002 vor dem Strafgerichtshof verhandelt werden sollen. Den Vereinigten Staaten wurde zugesagt, dass im Sudan tätige Amerikaner nicht an den Gerichtshof oder andere Länder ausgeliefert werden, sollten sie Verbrechen im Sudan begehen.

Im Gegensatz zu den meisten europäischen Staaten haben die USA den Gerichtshof nicht anerkannt und schützen ihre Staatsbürger durch Gesetze und bilaterale Abkommen gegen eine Auslieferung an das Gericht. Deshalb hatte die Regierung in Washington lange an der Errichtung eines weiteren Kriegsverbrechertribunals im tansanischen Arusha festgehalten. Dort werden schon Verbrechen verfolgt, die während des Völkermords in Ruanda begangen wurden.

Frankreich hatte die Abstimmung über seinen Resolutionsentwurf mehrfach verschoben, um ein amerikanisches Veto zu verhindern. Das hätte die Entschließung zu Fall gebracht. Nun enthielten sich die USA und drei weitere Staaten der Stimme. Damit gibt Amerika erstmals seinen Widerstand gegen den Strafgerichtshof teilweise auf.

Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen hatte festgestellt, dass in Darfur Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen wurden. Mindestens 180.000 Menschen kamen in der Krisenprovinz ums Leben, mehr als zwei Millionen wurden von arabischen Reitermilizen vertrieben. Die UN werfen der sudanesischen Regierung vor, sie habe diese Milizen ausgerüstet.