Der amerikanische Literatur-Nobelpreisträger Saul Bellow ist gestern in Brookline (Massachusetts) im Alter von 89 Jahren gestorben. Bellows Werk ist von beißender Ironie ebenso geprägt wie von einer melancholischen Suche nach dem Sinn des Lebens in der modernen Welt. Den Nobelpreis erhielt Bellow 1976 für seinen Roman Humboldts Vermächtnis , der von den Zweifeln eines Intellektuellen an seiner Gesellschaft handelt. Für das Buch wurde er im gleichen Jahr auch mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet.

Der in einem Arme-Leute-Vorort der kanadischen Großstadt Montréal geborene Autor, der mit Romanen wie Herzog und später Humboldts Vermächtnis weltberühmt wurde, gehörte zu den am meisten und bewunderten und verehrten Schriftstellern Nordamerikas. Eine wichtige Rolle spielten für ihn die Erfahrungen von Einwanderern, insbesondere von Juden, und deren oft harter Überlebenskampf. Bellow kam 1915 als viertes Kind einer aus Russland stammenden Familie auf die Welt. Später wuchs er in einem osteuropäisch und jüdisch geprägten Viertel von Chicago auf.

Kritiker würdigten Bellow als bedeutenden Chronisten amerikanisch-jüdischer Intellektualität und der amerikanischen Gesellschaft insgesamt. Zu seinen Verdiensten für die Entwicklung der Literatur gehörte die Schaffung eines stark intellekt-betonten Heldentyps.

Nach seinem Studium der Sozialwissenschaften und der Anthropologie arbeitete Bellow zunächst als Universitätsdozent. Den Durchbruch als Schriftsteller schaffte er im Alter von 29 Jahren mit dem Kurzroman Der Mann in der Schwebe . Als 1953 sein Buch Die Abenteuer des Augie March erschien, kürte die amerikanische Kritik den fast 800 Seiten umfassenden Roman zum bedeutendsten literarischen Werk des Jahres.

1965 folgte der tragikomische Roman Herzog , den nicht wenige für sein bestes Werk halten. Zehn Jahre später erreichte Bellow mit „Humboldts Vermächtnis“ den Höhepunkt seines internationalen Ruhms. Bellow habe mit diesem Roman tiefes menschliches Verständnis bewiesen, lobte die Nobelpreis-Akademie in Stockholm.