ingenieure-spezial Licht schafft Jobs
Laser, Leuchtdioden, Kameras – die Entwickler optischer Geräte haben beste Aussichten
Über eines war sich Korinna Haack früh im Klaren: Sie wollte nicht den ganzen Tag am Schreibtisch vor einem Computer sitzen, sondern lieber »auch mal was zusammenlöten« oder »Kabel stöpseln«. Über ihre berufliche Zukunft hat sie sich nie den Kopf zerbrochen. Nach ein paar Semestern an der Fachhochschule in Darmstadt stand für sie fest, dass sie später »irgendwas mit Lasertechnik« machen wollte. Gegen Ende ihres Studiums der Optotechnik und Bildbearbeitung fuhr sie nach München, um auf einer Fachmesse die Branche zu sondieren und potenzielle Arbeitgeber kennen zu lernen. Dabei landete sie auch am Stand der Berliner Firma Eagleyard Photonics, eines Herstellers von Halbleiterlasern. Einige Wochen später packte sie ihre Koffer und zog nach Berlin, um ihre Stelle anzutreten.
Das war vor zwei Jahren. »Am Anfang war damals Pionierarbeit angesagt«, erzählt die 26-Jährige. Als sie bei Eagleyard anfing, war die Berliner Firma gerade in ein neues Domizil im Stadtteil Adlershof umgezogen. Kisten mussten ausgepackt, Büro und Labor eingerichtet werden. Die Laserexperten aus Adlershof produzieren vier unterschiedliche Modelle, jedes davon klein wie eine Büroklammer, die unter anderem in der Medizintechnik, bei der Behandlung von Tumoren per Lichtstrahl, oder auch in der Druckindustrie eingesetzt werden. Korinna Haack verbringt viel Zeit im Labor, einem staubfreien Raum ohne Tageslicht, den niemand ohne Kunststoffkittel, Kopfhaube und Plastiküberschuhe betreten darf. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sei die Qualitätskontrolle, sagt sie. Vor der Auslieferung prüft sie die Leistung und Wellenlänge der kleinen High-Tech-Geräte und unterzieht sie einem Belastungstest, denn schließlich müssen sie später auch nach Hunderten von Betriebsstunden noch einwandfrei funktionieren.
Etwa die Hälfte ihrer Produkte verkauft die Berliner Firma im Ausland und spiegelt damit die Vertriebsstruktur einer ganzen Branche wider. »Lasertechnik aus Deutschland ist ein Exportschlager«, sagt Joachim Giesekus, Leiter der Technologieberatung bei Spectaris, dem Deutschen Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien. Doch nicht nur beim Laser freuen sich deutsche Firmen über volle Auftragsbücher. Eine aktuelle Branchenumfrage von Spectaris ergab, dass neben den Produzenten von Lasern auch die Hersteller von Spezialkameras, Leuchtdioden, Glasfaserkabeln und anderen optischen Geräten in den kommenden fünf Jahren mit einem jährlichen Umsatzwachstum von zehn Prozent rechnen. Sie alle zählen zu einer Boombranche, die so heterogen ist, dass Fachleute zu einem schwammigen Anglizismus greifen müssen, um sie zusammenzufassen: »Photonics« leitet sich ab von »Photon«, dem kleinsten Bestandteil des Lichts. Der Begriff steht für Spitzenplätze im internationalen Wettbewerb, Wachstum und die Aussicht auf Tausende von neuen High-Tech-Arbeitsplätzen in den mehr als 1000 deutschen Firmen und Forschungseinrichtungen, die optische Technologie entwickeln.
Nach einer Schätzung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) beschäftigt die Branche mehr als 100000 Menschen, die überwiegend für kleine und mittlere Unternehmen arbeiten. Doch der Radius der Photonics reicht noch viel weiter. »Es ist eine Querschnittstechnologie mit immenser Hebelwirkung«, sagt Gerd Litfin, Vorsitzender des VDI-Kompetenzfeldes Optische Technologie und Professor für Physik an der Universität Hannover. Ob Auto oder Flugzeug, CD-Spieler, Handy oder Computer: In den verarbeitenden Industrien sind etwa eine Million Menschen mit der Herstellung, Verarbeitung, Anwendung oder dem Einbau von optischen Technologien und Geräten beschäftigt.
Um deutsche Unternehmen für den internationalen Wettbewerb zu wappnen, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung bereits vor drei Jahren ein Förderprogramm aufgelegt, das den Photonics bis zum Jahr 2006 eine Finanzspritze von insgesamt 280 Millionen Euro beschert. Parallel sind regionale Netzwerke entstanden, die den Wissenstransfer und die Zusammenarbeit von wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen unterstützen sollen. In Berlin und Brandenburg haben sich mehr als 80 Firmen und Institute unter dem Dach von Kompetenznetz OpTechBB zusammengeschlossen, darunter überwiegend kleine Spezialisten wie die Laserschmiede Eagleyard, aber auch Branchenriesen wie Osram oder Siemens.
Ob Auto, Flugzeug oder Handy – ohne optische Technologie geht nichts
Eagleyard entstand im Frühjahr 2002 als Spin-off vom Berliner Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH). »Wir gelten als Musterbeispiel für erfolgreichen Technologietransfer«, freut sich Jörg Muchametow, Geschäftsführer von Eagleyard. Die Kontakte zum FBH sind immer noch eng, denn das Institut produziert Halbleiterchips, die bei Eagleyard in Gehäuse montiert und zu Lasern verarbeitet werden. »Das Verhältnis ist symbiotisch«, sagt Muchametow. »Wir profitieren vom langjährigen Know-how des FBH bei Laserdioden. Eagleyard ist die Schnittstelle zum Kunden und gibt durch seine Marktnähe Kundenanforderungen an die Wissenschaftler weiter, die mit ihrer Forschung schnell auf Trends reagieren können.«
Angefangen hat Eagleyard vor drei Jahren als Zweimannbetrieb. Aktuell beschäftigt die Firma 15 Mitarbeiter, darunter Physiker und Elektrotechniker, und noch in diesem Jahr soll das Team weiter wachsen. »Gefragt sind Laserspezialisten, die anwendungsorientiert denken«, so beschreibt der Geschäftsführer das optimale Bewerberprofil.
- Datum 06.04.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 06.04.2005 Nr.15
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