Im ostdeutschen Oxford weht ein frischer Wind
Malte Henk: Ach, Erfurt, ZEIT Nr. 13
Hochschulradio, -fernsehen und -zeitung, Debattierclub, amnesty-international-Ortsgruppe, AEGEÉ Antenne (eine europäische Studentenorganisation), von Studenten mitorganisierte Lehrveranstaltungen, beispielsweise zur Transformation Osteuropas - Fachschaftsräte, die sich einmischen: Für mich indizieren diese Beispiele unter vielen, dass die Erfurter Studenten sich sehr wohl engagieren.
Bei der Neugründung einer Universität entsteht eine Art Kreislauf aus Reputation, dem Anlocken von guten Professoren und Studierenden, erschwert durch eine Zwangsjacke aus Bürokratie und Sparmaßnahmen. Vielleicht muss sich unter diesen Rahmenbedingungen in Erfurt vieles einfach erst mit der Zeit entwickeln.
Was Ihrem Artikel fehlt, ist der positive und angenehm frische Wind, der nach meiner Wahrnehmung trotz berechtigter Kritik über den alles andere als leeren Campus der Uni Erfurt weht. Harvard an der Gera oder ostdeutsches Oxford - wenn überhaupt, benutzen die Erfurter Studenten diese Termini mit doppelten Anführungsstrichen. Was bleibt, ist eine Uni, die ihre Studierenden durch vergleichsweise kleine Lehrveranstaltungen, Interdisziplinarität, eine gute Bibliothek, hervorragende internationale Kontakte, das Mentorandensystem, eine persönliche Atmosphäre und internationale Anschlussmöglichkeiten verwöhnt - und all dies fernab von Massenuni-Realitäten oder Privatuni-Eliteclubs.
CHRISTINE ANTE, 4. SEMESTER B. A. STAATSWISSENSCHAFTEN AN DER UNIVERSITÄT ERFURT
- Datum 06.04.2005 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15/2005
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