Roman Vor Capri gescheitertSeite 2/2

Das wirkt glanzlos. Die Frage ist, ob diese Glanzlosigkeit kalkuliert ist. Die Figuren werden (sich) fragwürdig, aus Gründen der historischen Wahrhaftigkeit mag das gut so sein. Die Vergangenheit ist dann kein hierarchisch geordneter Raum mehr, der den großen und kleinen Mächten zur Verfügung steht. Sobald sich jedoch dieses Gewimmel in einem Roman austoben soll, muss es in die Form gebracht werden. Nicht alles, was im Leben hilft, ist auch der Literatur zuträglich. Nach 300 Seiten Skylla- Lesen drohen Leo und Lucynna, all die Giorgios, Livios und Annas und die netten Nachbarn aus Neapel in der Grotte ihrer Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Das letzte Wort über Achtundsechzig muss kein von der Kunst gestifteter Sinn sein. Aber die demütige Rückkehr zum Alltag macht noch keinen gelungenen Roman. Es bereitet bloß die nächste Täuschung vor: dass Kunst und Leben nach dem Ende der Illusionen wieder in eins fallen können.

SkyllaBelletristikRomanPeter SchneiderBuchRowohlt Berlin2005Berlin19,90313
 
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