Automobil Pannen ab Werk

Lieber Lada als Mercedes? Die Russen rufen ihre Fahrzeuge jedenfalls seltener in die Werstatt zurück

Baut Lada verlässlichere Autos als Mercedes? Gemessen an der Zahl der Rückrufe scheinen die kantigen Wagen aus Russland einwandfrei montiert. Während nämlich Mercedes zwischen Juni 2002 und Juni 2004 achtmal Fahrzeuge in die Werkstätten rief, mussten die Ladas kein einziges Mal offiziell zur Nachbesserung. Ebenso wenig belästigt wurden die Besitzer eines Daewoo (heute: Chevrolet), Daihatsu, Hyundai oder Maserati, fand das Center of Automotive Research (CAR) an der FH Gelsenkirchen heraus.

Rückrufaktionen sind längst Alltag. Im vergangenen Jahr riefen die Hersteller 137-mal Autos wegen Sicherheitsproblemen zurück, mehr als 1,4 Millionen Autos rollten 2004 in die Werkstätten. Zum Vergleich: 1998 wurde nur 55-mal Alarm geschlagen. Solche Zahlen lassen freilich das Ausmaß der Mängel nur erahnen. Fahrzeuge, die jünger als ein halbes Jahr sind, tauchen in der Statistik gar nicht erst auf, stehen sie doch in der Regel beim Erstkäufer oder sogar noch im Autohaus. Öffentliche Rückrufaktionen, bei denen das Kraftfahrzeugbundesamt eingeschaltet wird, sind dann nicht nötig. Außerdem müssen die Hersteller Autos nur dann offiziell in die Werkstätten rufen, wenn Fehler die Sicherheit beeinträchtigen. Harmlosere Mängel werden nicht selten stillschweigend bei der nächsten Inspektion behoben.

Mittlerweile gelten die Alarme aber nicht mehr als Schande. »Heute haben Hersteller ein Imageproblem, wenn sie von einem Mangel wissen und nichts unternehmen«, sagt Anton Demmel, Technikexperte beim ADAC. Die zunehmende Zahl von Rückrufen ist auch nicht unbedingt ein Zeichen für schlampige Qualitätskontrollen, sondern eher für technisch überladene Autos. Gerade deutsche Fabrikate wetteifern mit elektronischen Spielereien um Kunden und erhöhen damit die Fehleranfälligkeit.

Manche Mängel muten bisweilen skurril an, wenn sie nicht ernste Folgen haben könnten. BMW etwa rief im vergangenen Winter weltweit 75.000 Limousinen zurück, um deren Besitzern heiße Hintern wegen möglicherweise defekter Sitzheizungen zu ersparen. Heiß wurde es auch manchem Mercedes-Lenker, als ihm sein Display signalisierte, dass seine High-Tech-Bremse namens Sensotronic Brake Control (SBC) ins Notprogramm schaltete. Obwohl laut Mercedes solche Defekte nur vereinzelt auftraten, wurden vergangenes Jahr weltweit 680.000 E- und SL-Klasse-Fahrzeuge sicherheitshalber überprüft.

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Besonders kritisch schauen die US-Behörden den Herstellern auf die Finger; auch denen exotischer Kleinserien. Im Februar musste Maserati in den USA 495 Sportwagen zurückrufen, weil ein Schalter in den Flitzern nur Attrappe war. Ausgerechnet der Knopf, mit dem der Airbag für den Beifahrersitz ausgeschaltet werden kann, wenn dort ein Baby im Kindersitz festgeschnallt ist. Das wichtige Knöpfchen war in dem Wagen für 95.500 US-Dollar einfach nicht verdrahtet. (tok)

 
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  • Quelle (c) DIE ZEIT 06.04.2005 Nr.15
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  • Schlagworte BMW | Chevrolet | Hyundai | Daewoo | Daihatsu | Auto | ADAC | Russland | USA | Lada
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