Vor der Grundsatzrede von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zur rot-grünen Familienpolitik hat Arbeitgeber- Präsident Dieter Hundt eine Überprüfung der Leistungen in diesem Bereich gefordert. "Bisher führt unsere großzügige Familienförderung mit 150 Milliarden Euro weder zu mehr Geburten noch zu einer vernünftigen Integration der Eltern in den Arbeitsmarkt. Hier müssen wir umsteuern", sagte Hundt dem "Handelsblatt".

Vor allem die gesetzliche Jobgarantie von drei Jahren für Mütter geht nach Hundts Ansicht "an der betrieblichen Realität vorbei". Dagegen sei die Einführung eines einjährigen Elterngeldes "eine interessante Idee". Die Wirtschaft sieht der Arbeitgeberpräsident schon aus Eigeninteresse familienpolitisch in der Pflicht.

"Familie steht für Kinder, für soziale Sicherheit und für eine wertorientierte Erziehung. Alle drei Aspekte sind für die Wirtschaft bedeutend. Zudem können wir es uns angesichts eines verschärften Fachkräftemangels nicht leisten, auf gut qualifizierte Frauen und Mütter zu verzichten." Allerdings sei ein Betriebskindergarten nicht für jedes Unternehmen sinnvoll, betonte Hundt.

"Außerdem darf der Staat die Verantwortung für 1,2 Millionen fehlende Betreuungsplätze für Kleinkinder nicht auf uns abwälzen." Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) setzt trotz Skepsis in der eigenen Partei weiter auf ein einkommensabhängiges Elterngeld, um die Geburtenzahlen zu erhöhen.

Für die entsprechende Umwandlung des Erziehungsgeldes will sie in der ersten Jahreshälfte 2006 dem Kabinett einen Gesetzentwurf vorlegen, sagte Schmidt am Dienstag. Laut Schmidt befürworten fast 70 Prozent der Bürger ein Elterngeld. Die Zusatzkosten eines Elterngeldes, bei dem die staatliche Zahlung für ein Jahr bis zu 67 Prozent des letzten Nettolohns der Familie erreichen könnte, werden derzeit im Familienministerium errechnet. Sie seien "nicht riesengroß", sagte Schmidt.

Es werde auf jeden Fall eine Deckelung wie bei der Arbeitslosenversicherung geben. Frühere Berechnungen waren von Kosten bis zu 4,3 Milliarden Euro pro Jahr ausgegangen. Die jährlichen Ausgaben für das Erziehungsgeld liegen bei 3 Milliarden Euro. Kanzler Schröder wird heute bei einer Tagung mit der Wirtschaft eine familienpolitische Grundsatzrede halten.