Weltkonjunktur Der hohe Preis
Öl wird teurer werden. Die OPEC müsste die Fördermenge steigern, um den Bedarf zu decken, doch sie fördert bereits an der Kapazitätsgrenze. Jetzt wird nach Gegenmaßnahmen gesucht
Auf dem Ölmarkt ist langfristig nicht mit einer Entspannung zu rechnen. Die hohen und unbeständigen Ölpreise sind nach einer neuen Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine ernsthafte Gefahr für die Weltkonjunktur. Die Weltwirtschaft wachse in diesem Jahr schon um 0,7 bis 0,8 Prozentpunkte weniger als 2004, hieß es in der gestern veröffentlichten Untersuchung.
Der Öl-Bedarf steige rasant, doch werde überall schon an der Kapazitätsgrenze gefördert. Eine Ausweitung der Fördermengen sei kurzfristig nicht in Sicht. "Der Markt wird angespannt und anfällig für Schocks bleiben", warnt der IWF. Er drängt Ölförderländer, Gesetze zu ändern, die etwa ausländische Investitionen im Ölsektor verbieten. Der Währungsfonds fordert alle Länder auf, Energie zu sparen und strategische Öl-Lager langsam auszubauen. In 25 Jahren rechnet der IWF mit einem Ölpreis von real 39 bis 56 Dollar pro Barrel.
Der IWF erwartet, dass der Verbrauch von derzeit 82,4 Millionen Barrel pro Tag in fünf Jahren auf 92 Millionen steigt und in 25 Jahren auf 138,5 Millionen Barrel. Drei Viertel des zusätzlichen Bedarfs entstehe in Entwicklungs- und Schwellenländern, davon ein Drittel allein in China. Dort dürfte beispielsweise die Zahl der Autos von 21 Millionen 2002 auf 390 Millionen 2030 steigen.
Die Kapazitätsreserven seien wegen der steigenden Nachfrage schon auf einen historischen Tiefstand gesunken, von 5 Millionen Barrel pro Tag 2002 auf jetzt 1,5 Millionen Barrel. Neue Ölquellen zu erschließen brauche aber erhebliche Investitionen, wie etwa die Gewinnung aus den Ölsanden in Kanada. Dort lagert die Hälfte der bekannten Ölreserven außerhalb der OPEC-Länder. Aber außerhalb der OPEC könne die Produktion nach Schätzungen nur von 50 bis maximal 65 Millionen Barrel pro Tag gesteigert werden, ehe sie langsam sinke, schreibt der IWF. "Das alles deutet darauf hin, dass es großen Preisdruck geben wird, wenn die Produktion außerhalb der OPEC ihren Zenit überschreitet", so der IWF.
Angesichts explodierender Ölpreise bringt die EU drastische Gegenmaßnahmen ins Spiel. Energiekommissar Andris Piebalgs hat sich für ein europaweites Tempolimit von 90 Stundenkilometern auf Fernstraßen ausgesprochen. Er persönlich begrüße einen entsprechenden Vorschlag der Internationalen Energieagentur IEA, sagte Piebalgs der Welt . "Wenn Autos in Deutschland mit 200 Stundenkilometern über die Straße rasen, verbrauchen sie natürlich viel Benzin."
Den aktuellen Ölpreis nannte Piebalgs "zu hoch". Dies schade der Konkurrenzfähigkeit und der wirtschaftlichen Entwicklung der Europäischen Union. Hier seien aber nicht nur die Öl-Produzenten, sondern auch die Verbraucherländer gefragt. "Bei der Steigerung der Energieeffizienz und beim Einsatz erneuerbarer Energien hat die EU noch erheblichen Nachholbedarf."
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- Quelle (c) ZEIT.de/dpa
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