HENNING SUSSEBACH, ZEIT-REDAKTEUR LEBEN, IM SKODA OCTAVIA COMBI ELEGANCE 1.9 TDI Der Besserossi

Der Octavia Kombi ist rundlich und unscheinbar. Trotzdem gibt es Gründe, den Tschechen zu lieben

Ich hatte ein wenig Angst vor diesem Tag. Vor dem Moment, an dem aus meinem ersten, für mich noch immer neuen Auto ein altes Auto werden würde, weil da plötzlich ein »Nachfolger« ist. Diese Angst war eine Art Prüfungsangst, eine Gewissensprüfungsangst, um genau zu sein. Und sie war nicht mehr zu verleugnen, seit ich beim Zahnarzt den Fehler gemacht hatte, in einer Autozeitschrift zu blättern. Da stand es: »Anfang 2005 kommt der neue Octavia Kombi.«

Ich fahre den alten. Den alten?!

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Das war vor einem halben Jahr. Von da an war klar, dass nicht ich dieses Auto testen würde, sondern dieses Auto mich. Und das in einer ... nun ja ... in einer der grundsätzlicheren Fragen, die sich der Mensch so stellt: Bin ich zufrieden mit dem, was ich habe? Oder muss ich stets nach Neuem streben? Würde ich also im konkreten Fall des neuen Octavia dem Reiz des »Größer, Schneller, Breiter« erliegen, der nahezu jede Autofahrerbiografie in Deutschland prägt?

Antworten darauf musste ich mir schon geben, bevor das Auto auf die Straßen kam. Eines Tages sah ich Plakate an den Straßenrändern, die den »Nachfolger« zeigten, von schräg hinten fotografiert, mit seltsam dickem Hintern. Breiter würde er also schon mal sein, der Neue, wahrscheinlich auch größer und schneller. Auf den Plakaten stand dann noch: »Seien Sie vernünftig. Verlieben Sie sich in einen Skoda.« Und ich dachte: »In ein Auto verlieben? Bisschen viel vielleicht.«

Warum kauft man einen Skoda? Vielleicht, weil es Lebensphasen gibt, in denen man sich tiefer gehende Fragen stellt als diese. In denen man jedenfalls glaubt, kurz mal grundsätzlich werden zu müssen. Das ist so, wenn ein Kind kommt. Reflexartig sucht man sich eine Dreizimmerwohnung, schließt einen Bausparvertrag ab und kauft einen Kombi. Zack, schon ist es passiert.

Vier Jahre ist das jetzt her. Seitdem habe ich das Gefühl, ein Auto ohne Attribute zu fahren. Einfach ein Auto zwischen vielen Statements. Ein Auto, wie ein Kind es malen würde. Alles in allem ein Auto, dessen Linienführung so schmucklos ist, dass sogar mein Architektenfreund es wieder lässig findet.

Das ist ein gutes Gefühl. Natürlich gibt es Momente, in denen man von einem runderneuerten Citroen DS in Schwarz träumt, der das gleiche Geburtsjahr wie man selber hat. Nach vier Skoda-Jahren kann das passieren. Aber sonst? Ich weiß, dass mein Auto billiger ist als ein Audi A4 Avant und einen viel größeren Kofferraum hat. Ich fahre ein Auto ohne Rückrufaktionen. Und mir wird kein Mercedes-Stern von der Kühlerhaube gerupft. Manchmal glaube ich in den Blicken der anderen zu lesen: »Hast ja Recht.«

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