Parteispendenaffäre Das Recht bin ich

Manfred Kanther galt als strenger Hüter von Gesetz und Ordnung. Auch als Angeklagter gibt sich der frühere Innenminister unbeugsam. Nun wird er möglicherweise verurteilt

Wiesbaden

Ein vorletztes Mal erlebt Manfred Kanther das Blitzlichtgewitter. Diesmal hastet er nicht wie sonst. Diesmal schreitet er hindurch.

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Lächelnd, freundlich blickend in all die Kameras ringsum, nimmt er Platz auf der Anklagebank im Wiesbadener Landgericht. Ein Staatsmann. Heute spricht er sein letztes Wort, bevor das Gericht am 18. April sein Urteil verkündet. Heute beweist er einmal mehr, dass seine Wirklichkeit eine andere ist als die der anderen.

Er, ausgerechnet er, soll seiner Partei, der CDU, geschadet haben? Er soll CDU-Vermögen veruntreut haben? Undenkbar, wo doch jeder weiß: Manfred Kanther steht für den starken Staat, und das heißt für eine starke Partei, seine Partei, die CDU. Bis 1998 war er Bundesinnenminister.

Heute will er »vom Rechtlichen« nicht reden, sondern erst einmal von der »Hemmungslosigkeit der öffentlichen Vorverurteilung«, ja von der »öffentlichen Hinrichtung« in den vergangenen Jahren. Noch lieber geht er noch weiter zurück. In die »politische Wirklichkeit der siebziger und achtziger Jahre«, als es zum »spätsozialistischen Generalangriff« kam, seine »CDU sehr einsam« war und er, der damals Landesgeschäftsführer und Generalsekretär in Hessen war, seine Landespartei zu einem »Kampfverband« formieren musste.

Nur darum haben er und der damalige Schatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein und der altgediente CDU-Finanzberater Horst Weyrauch, beide mitangeklagt, 1983 beschlossen, gut 20 Millionen Mark an jeder Buchhaltung vorbei und auf etlichen Umwegen in die Schweiz zu schleusen, was gleichsam der Anfang allen heutigen Übels war.

Einen »Geheimbund auf Dauer« haben das die Staatsanwälte getauft, und das ist ein schönes Wort im Angesicht der herrschenden sozialistischen Horden.

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